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Freitag, 17. Dezember 2021

Anderswo (22)

In der heute erschienenen Januar-Ausgabe der Titanic verteidige ich im Politischen Gedicht die Impfgegner, und in der Nr. 29 von Das Gedicht, die den Themen Hoffnung & Aufbruch gewidmet ist, lasse ich einen Menschen von Aliens entführen.

Montag, 15. März 2021

Lob der dritten Welle

Lob der dritten Welle

Ich habe echt nichts unversucht gelassen,
ich leckte im Büro an fremden Tassen,
lief maskenlos bei Tönnies durch die Pforte.
Und trotzdem zeigt die App nur diese Worte:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Ich reiste voller Hoffnung in den Osten,
retweetete stets lieber Streeck als Drosten;
wenn jemand hustet, renn ich ihm entgegen.
Die Pixel wolln sich dennoch nicht bewegen:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Lang konnte mich Corona ignorieren.
Wie gut, dass wir jetzt ganz kapitulieren:
Dank Laschet, Hildmann, Spahn und Malle-Flügen
sind meine Chancen endlich stark gestiegen
   auf Risiko-Begegnungen.

Freitag, 12. März 2021

Der Einzelhandel ist zufrieden

Der Einzelhandel ist zufrieden
Auf einen NDR-Artikel, in dem gejubelt wird: "Der Einzelhandel freut sich über einen gelungenen Neustart nach dem Corona-Lockdown. Viele Innenstädte waren voll."

Der Winter ist dahingeschieden.
Jetzt singt der Fink. Jetzt grünt der Strauch.

Und alle, die es lange mieden,
stehn sich die Beine in den Bauch:

In Innenstädten juchzen sie, denn
jetzt gibt's erneut, was keiner brauch.

Der Einzelhandel ist zufrieden
und das Coronavirus auch.

Freitag, 25. September 2020

Anderswo (15)

In der Oktoberausgabe der Titanic findet sich ein Gedicht von mir zur Cancel Culture und ihren fatalen Folgen namens »Nachruf auf einen konservativen Kolumnisten«.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

B-Seiten 2016, Teil 1

Mäßige bis schlechte Gedichte machen, wenn sie alleine stehen, einen verheerenden Eindruck. In der Masse jedoch fällt manche Schwäche nicht so sehr ins Auge – ein Umstand, den man das Eugen-Roth-Auswahlband-Phänomen nennen könnte.
Na, jedenfalls: Wie 2015 (vgl. hier) folgt an dieser Stelle eine Auswahl meiner unveröffentlichten Gedichte aus den vergangenen Monaten, heuer in zwei Teilen.


I

Teil 1 beginnt mit einem Text aus dem Frühling: Thilo Sarrazin veröffentlichte sein neues Standardwerk »Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so häufig scheitert«, dessen Themenfelder ich in den folgenden Versen skizzierte:

Sarrazins Wunschdenken
In Reimform gebracht

Das Land zerbricht, der Syrer sticht
und plündert nach Belieben.
Ich bin entsetzt und habe jetzt
ein Buch dazu geschrieben.
Ich zähle zwar auf Ihren Kauf,
doch führ schon mal die Thesen auf:

Europa fällt, da alle Welt
als Flüchtling akzeptiert wird.
Das Ende naht, weil unser Staat
seit Jahren falsch regiert wird:
Doch auf der Seite 108
erklär ich, wie man's richtig macht.

Die Währung wankt, die Wirtschaft krankt,
VW liegt brach: so traurig!
Was Wolfsburg war, wird Kandahar. –
Wen das nicht rührt, bedaur ich.
Sie schätzen Geld so sehr wie ich?
Dann investieren Sie's in mich!

Zur Bildung: Bernd aus Freital lernt
nun nicht mehr richtig rechnen,
denn Ibrahim entwendet ihm
die Zahlen (was ich frech nenn!).
Die Jugend liest heut Böll und Co.
statt Weininger und Gobineau.

Die Migration schlägt unsre schon
bisweilen groben Epen
in Sachen Blut. Nun ist es gut,
wir brauchen eine le Pen!
Statt Merkel, Morus, Bloch: Pegi-
da sei uns Deutschen Utopie!

Mehr steht nicht drin. In diesem Sinn:
Auf dass mein Buch uns rette!
Erstehn Sie's fein in Leinen ein-
gebunden/auf Diskette,
und lesen Sie es ganz genau!
Ich schließe nun mit Grüßen. Ciao.


II

2016 wird bekanntlich in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem die Promis ausstarben. Der folgende Nachruf ist ohne konkretes Ziel, reimt sich aber immerhin ganz schön:

Nachruf auf irgendeinen Komiker

»Wegbereiter«
und so weiter
wurde er genannt,
seit er
Heiter-
keit er-
fand.


III

Kindersonett: Frankreich

Warst du schon ein-
mal in Paris?
Sag, trankst du Wein
und schlucktest Brie und spucktest »Ihh!«?

Franzosen schrein
oft »C'est la vie!« –
was soll das sein?
Verstehst du sie? (Ich tat es nie.)

Saßt du am Meer,
last du Voltaire
und Baudelaire und Weiß-nicht-wer?

(Heißt das nicht -wen?)
und hast du den
Fluss Seine gesehn? So, hast du? Scheen!*

*: Heißt das nicht schön?


IV

Traum

Mir fiel ein Universum aus der Hand:
aus welcher? Spielt hier wirklich keine Rolle,
die Geste war auch keine absichtsvolle.
Es stürzte halt. Mehr ist mir nicht bekannt.

Nur das noch: Als es auf dem Boden lag,
wurd mir mit einem Mal sehr flau im Magen,
und das ist etwas, was ich gar nicht mag.
Was dann passierte, weiß ich nicht zu sagen.

Bloß dies: Das Universum brummte wie –,
ein Mensch? Ein Tier? Nein, mehr wie eine Pflanze.
Es blähte sich zu einem Ball und schrie –,
beziehungsweise schwieg. Das war das Ganze.

Halt stopp, denn ein Kapitel steht noch aus:
Das Universum wuchs, bis es sehr fett war,
und schluckte mich, was nicht besonders nett war.
Ich wachte auf. Und fand nicht mehr hinaus.


V

Ich oute mich an dieser Stelle einmal als FC Bayern München-Erfolgsfan der ersten Stunde; als ca. Siebenjähriger erhielt ich zu Weihnachten ein überdimensionales Heim-Trikot mit Mario Basler-Beflockung, das mir noch im Sportunterricht in der Oberstufe gute Dienste leisten sollte. Das folgende Sonett entstand wiederum einige Jahre später, unmittelbar nach Spielschluss in ca. 15 Minuten und gibt auf diese Weise einen unverfälschten Blick auf meine damalige Gefühlslage:

Zum Champions League-Halbfinal-Hinspiel Atletico Madrid - Bayern München 1:0 (1:0)

Im Fußball wurd schon mancher Held geboren,
selbst Münchner. Nur nicht heute in Madrid:
Obwohl man fast auf Augenhöhe stritt,
hat Bayern dieses Spiel ja doch verloren.

Man hatte sich vermutlich eingeschworen,
und wirkte fit und litt a bit und tritt,
nein, trat. Allein: Es fehlte stets ein Schritt.
Und letztlich fehlte es auch an den Toren.

Denn einer von den Madrilenen traf
(sein Name sei, doch nicht aus Wut, verschwiegen:
Ich zweifle, dass er sich ins Versmaß biegen,

ja schmiegen lässt). Drum bin ich fair und brav:
Madrid verdient den Sieg heut mehr als München.
Man sollte Diego Simeone lynchen.


VI

Und als Abschluss von Teil 1 ein weiteres Fußballgedicht, diesmal aus der diesjährigen Bundesliga-Relegation:

Nürnberg - Frankfurt 0:1 (0:0), 23.5.2016

Tom Bartels ist mein liebster Kommentator,
denn immer wenn ein Tor fällt, ruft er: »Ah, Tor.«,
und wenn gefoult wird, merkt er: »Oh, ein Foul.«

Er kennt zudem fast alle Spielernamen,
und spricht sie häufig richtig aus, denn Paul,
ich mein: Tom Bartels ist der Beste. Amen.

Dienstag, 5. April 2016

Hier könnte Ihr Tucholsky-Zitat stehen

Hier könnte Ihr Tucholsky-Zitat stehen

Was will und kann und soll und darf Satire?
Die Frage kannte ich zuvor noch nicht,
doch nach dem letzten Böhmermann-Gedicht
wird sie gestellt. Ich rekapituliere:

Die Deutschen mögen ihre Witze schlicht
und pädagogisch wertvoll (kein Geschmiere!).
Nur ein sensibler Dichter ist der Ihre,
und sanfter Spaß ist seine hehre Pflicht.

Es lohnt sich durchaus nicht, zu widersprechen;
man knicke vor den Gag-Experten ein,
gelobe, seine Pointen abzuschwächen,

und sich zu keiner Schmähung zu erfrechen:
Man sollte diesen Menschen erst verzeihn,
und ihnen danach alle Knochen brechen.

Montag, 1. Februar 2016

AfD-Strategiepapier

AfD-Strategiepapier

Die Größe Deutschlands ist wohl weltbekannt:
O Ort des Fortschritts, Hort der Kompetenzen!
O Küsten, die hübsch blond und blau erglänzen,
o Fichtelberg, du grüner Diamant!

Was ich hier anführ, ließ sich noch ergänzen ,
O Kant, o Pfand, o Montagsdemonstrant!
Der Inhalt ist famos, und erst der Rand...:
Das Prächtigste an Deutschland sind die Grenzen!

Für unsre Wälder gibt es Schutzmaßnahmen,
für unsre klugen Köpfe gibt's Hartz IV.
Das ist okay, doch wie verfahren wir

mit denen, die zur Grenzverletzung kamen?
So: Schießbefehl! Auf dass (doch nur im Notfall!)
auch Frau Exot dank Schrot sehr tot vom Boot fall'.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Lied des Leitartiklers

Lied des Leitartiklers

Das neue Jahr hat grad erst angefangen,
schon tut mein Zeigefinger höllisch weh.
Ich seh, sobald ich vor die Haustür geh,
zig Sorgen, die auf bangen Wangen prangen.

Der Januar ist noch nicht ganz vergangen,
und doch scheint alle Hoffnung längst passé.
Die Welt (Metapher!) wird zur Schnapsidee,
derweil die Stars mit langen Schlangen rangen.

Oh, was der Weltgeist mit uns plant, erfreut nicht:
Trump siegt und Baden-Württemberg zerfällt,
den DAX zerreißt's, weil Höcke Macht erhält;

und die EM gewinnen wir erneut nicht.
Die Erde kippt zuletzt ins Nukleare...
Dies wird das beste Jahr der letzten Jahre!


Letzten Freitag erschien übrigens mein Pegida-Lied bei der Titanic.

Montag, 18. Januar 2016

Couplet der Bürgerwehr

Couplet der Bürgerwehr

Der Wind weht kalt, wir werden bald
zur Minderheit gehören.
Der Syrer kam mit dem Islam,
um Deutschland zu zerstören!
Die Polizisten tuns nicht mehr:
Wir gründen eine Bürgerwehr!

Vor einem Jahr war der Gefahr
durchaus noch zu begegnen.
Dann kam der Tod per Flüchtlingsboot,
was ich den falschen Weg nenn.
Sie plündern uns den LIDL leer:
Wir gründen eine Bürgerwehr!

Jetzt herrscht Gewalt, es knallt und hallt:
Hör einer sich den Lärm an!
Die fremde Flut tut uns nicht gut.
(Das schreibt selbst Eva Herman:
Wem solln wir glauben, wenn nicht der?)
Wir gründen eine Bürgerwehr!

Man traut sich aus dem Haus kaum raus
in Kiel und Berchtesgaden:
Sie haun und klaun die Fraun. Den Brown-
ing ham wir schon geladen...
Das Schießen fällt auch gar nicht schw hoppla, autsch, fuck!
Wir gründen eine Bürgerwehr!

Verblendet schreit es auf: »Ihr seid
doch rechts!« Wer das hört, lacht sich
die Augen aus dem Kopf heraus.
Wir rechts? Wir sind für Weib und Kind,
mit Herz und Hand fürs Vaterland,
für Sippenhaft und Marktwirtschaft,
und apropos: Wir müssen los.
Auf, Deutsche! 88!
Pardon, das war ein Zahlendrehr.
Wir gründen eine Bürgerwehr!

Sonntag, 10. Januar 2016

Tränen des Abendlandes

Tränen des Abendlandes anno 2016
Für Andreas Gryphius

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar durchschreitet deutsche Aun.
Sie graun, radaun und klaun in Potsdam, Pirna, Plaun,
und andern Städten, die die Schule nie gelehret.

Die Türme stehn in Glut, der Dom ist umgekehret.
Die Turnhalln sind besetzt, der Gartenzaun: zerhaun,
die Jungfraun sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun,
ist Feuer, Pest und Tod, den Merkel uns bescheret.

Hier durch die Facebook-Posts rinnt allzeit frisches Blut.
Die Syrer sollen bloß zurück zum Zuckerhut:
Nix Pharao, dies ist das Land der Nibelungen!

Doch kommen wir zu dem, was ärger als der Tod:
Die Freiheit ist bedroht, es herrscht ein Denkverbot,
und niemand hat mehr Mut zu Meinungsäußerungen.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Jahresrückblick eines Kolumnisten

Jahresrückblick eines Kolumnisten

»In Frankreich und in Sachsen wachsen Glatzen,
die GroKo fuhr uns alle an die Wand.
Im Frühling starb der klügste Kopf im Land,
seither hört man die Dschihadisten platzen.

Der Westen bombardiert, statt mit Verstand,
Geduld und Herz den Terror matt zu schwatzen.
Nur der Iran will keine Matzen schmatzen.
Cui bono? Na, das liegt doch auf der Hand!

Sie rätseln noch, weshalb die Welt so scheel is?
Schuld sind die Amis. Und die Israelis.
Dank ihnen glüht der Globus vor Beschwerden.

Wie lässt sich das im neuen Jahr verwinden?
Die Einzelheiten sollten sich noch finden, –
doch der IS muss zur Atommacht werden!«

Mittwoch, 25. November 2015

Junger Journalismus, junge Themen

Junger Journalismus, junge Themen
Modest Proposals


Was sagt ein Selfie über deinen Rücken?
Darfst du dich selber entnazifiziern?
Sind deine Freunde bloß Computervirn?
Im Test: Survival-Training in Saarbrücken.

Karrieretipp: jetzt BWL studiern!
Weswegen heißen Mücken meistens Mücken?
Kann man mit GIFs echt Weihnachtsbäume schmücken?
Ein unterschätzter Snack: die Nebenniern.

Was macht mehr Freude, Armut oder Wohlstand?
So gut ist Feminismus für die Haut!
Hat Goethe Faust von Kanye West geklaut?

War Pracht ein Wert, für den einst Helmut Kohl stand?
Ein Islamist packt aus: »Weshalb ich totschieß!«
So lief der 2. Weltkrieg (in Emojis).

Freitag, 20. November 2015

Volkslied

Volkslied (feat. Johann Gaudenz von Sallis-Seewis)

Braun sind schon die Wälder,
grau die Stoppelfelder,
denn der Herbst begann.
Hagel schlägt und viele
Fußball-Länderspiele
pfiff kein Schiri an.

Terrorsorgen wachsen,
pittoresk liegt Sachsen:
wie von Bosch gemalt.
Abends gibt's kein Licht mehr,
Mancher Mensch wird nicht mehr
von der WELT bezahlt.

Nächtens friert's die Spinnen,
Helmut Schmidt fuhr in 'nen
Kanzlerhimmel ein.
Jedermann beeidet,
während Westwind schneidet,
ohne Furcht zu sein.

Geige tönt und Naidoo:
Wär das Land bloß frei, du!,
von der Hochfinanz...
Willst du schon verschwinden,
Herbst? Komm, reih dich in den
deutschen Ringeltanz.

Dienstag, 10. November 2015

Kabarettsonett ii

Kabarettsonett ii: Am Esstisch eines Kleinkünstlers

»Die Welt ist schlecht. Sie sollten mir vertrauen,
wer spricht, hat recht: Das ist ein deutscher Brauch.
Den Reichen schwimmt der Kaviar im Bauch,
und ich muss hier an einem Schwarzbrot kauen...

Für die da oben (Merkel, Gauch und Jauch)
ist kaum ein adäquates Wort zu bauen.
Der Steputat schlägt ›Grauen‹ vor und ›Hauen‹,
doch ›Plauen‹ taugt mir als Metapher auch.

Die nehmen! Und wir geben! Welch ein Irrsinn!
Das hat vor mir noch niemand je erkannt.
Wir sollten's ändern, schließlich haben wir's in

der Hand. Auf geht's, verwandeln wir das Land!
Dann los, der Umsturz nehme seinen Lauf!
Doch gehn Sie vor. Ich esse erst noch auf.«

Donnerstag, 5. November 2015

Kabarettsonett i

Kabarettsonett i: Am Schreibtisch eines öffentlich-rechtlichen Kleinkünstlers

»So ein Programm schreibt sich nicht von alleine,
und ich weiß kaum, wo ich beginnen soll:
Mein Kopf ist an Gedanken übervoll.
(Das stimmt nicht, doch Sie wissen, was ich meine.)

Wie fang ich an? Mit Hitler oder Heine?
Vielleicht per Wortspiel, denn das kann ich toll:
›Amerikbah!‹, haha, und ›Israoll‹.
Da nickt das Publikum und nippt am Weine.

Dann: Banken. Und die Kanzlerin geht immer.
Fiel Ihnen auf, wie sie die Hände hält?
Sie lacht auch nie! Und dafür kriegt die Geld...

Zum Schluss Monsanto, denn die sind noch schlimmer.
Wir gehen vor die Hunde! Das geschieht ip-
so facto (Bildungsbürgertum) durch TTIP!«