Donnerstag, 11. Februar 2021

Raufaserfabel

Ich hockte heute hilflos da
und wusste nichts zu schreiben,
und war also den Tränen nah
und ließ es eben bleiben:

Na gut, dann kein Gedicht. Ich schloss
die Word-Datei und drehte
mein blödes Haupt gen Dachgeschoss
und schaute auf: Tapete.

Tapete! Klaro! Weltbekannt,
doch niemals je besungen.
Ich reimte Wand auf blaues Band
und bin vor Glück gesprungen. –

Doch da die Decke niedrig hing

(ich mag es fast nicht sagen),
hab ich mir da den, na, den Ding,
den Schädel aufgeschlagen.

Da setzten die Gedanken aus.

Jetzt liege ich im Krankenhaus.


Freitag, 27. November 2020

Nachruf auf ein Smartphone

Mein lieber Freund, es tut mir leid:
   Ich lege dich zur Seite.
Wir hatten eine schöne Zeit,
doch schließlich ist es jetzt so weit:
   Ich such, verzeih!, das Weite.

Dein Äußres war's, was für dich sprach;
   dein Inneres nicht minder!
Doch leider ließ dein Akku nach,
und müde keuchtest du: »Gemach!«
   bei jedem Match auf Tinder.

Ich wagte darum jetzt den Schritt,
   dich endlich abzulösen. –
Nun darfst du selig und zu dritt
in irgendeiner Kiste mit
   den andern alten Dingern dösen.

Samstag, 21. November 2020

Anderswo (18)

In der neuen Ausgabe #28 von Das Gedicht namens Die Wiederentdeckung der Liebe stehen neben zahllosen Gedichten von u. a. Jan Wagner, Kerstin Hensel und Carsten Stephan auch zwei von mir, nämlich: Gesang eines verliebten Fischverkäufers und das mit einem nicht ganz so aussagekräftigen Titel versehene Lied.

Montag, 19. Oktober 2020

Kindersonett: Der Zombie

Der Zombie ruht
am Tag. Er wacht
nur in der Nacht
und sucht nach Blut.

Er (kurz und gut)
gehört mit Macht
bespuckt, verlacht
und ausgebuht.

Der Zombie – nein,
was sag ich hier?
Das kann nicht sein –

ich korrigier
mich, denn ich mein
ja den Vampir!

Dienstag, 29. September 2020

Anderswo (16)

Für die Eisenbart & Meisendraht-Sendung zum Thema Langeweile habe ich den Film Titanic und Schillers Lied von der Glocke leicht verkürzt bedichtet und vorgelesen.

Freitag, 25. September 2020

Anderswo (15)

In der Oktoberausgabe der Titanic findet sich ein Gedicht von mir zur Cancel Culture und ihren fatalen Folgen namens »Nachruf auf einen konservativen Kolumnisten«.

Dienstag, 1. September 2020

Kurze Ballade

Der Knabe im Moor

Junge in
der Natur
klagt: »Wo bin
ich denn nur?«
  
Eulen schrein,
Kälte klirrt,
Geister ... – Nein,
das hier wird
  
ihm zu bunt.
Er ist klug,
flüchtet, und
da der Spuk
  
ihn im Trab
dann verlor,
spricht der Knab:
»Nevermoor!«