Samstag, 21. November 2020

Anderswo (18)

In der neuen Ausgabe #28 von Das Gedicht namens Die Wiederentdeckung der Liebe stehen neben zahllosen Gedichten von u. a. Jan Wagner, Kerstin Hensel und Carsten Stephan auch zwei von mir, nämlich: Gesang eines verliebten Fischverkäufers und das mit einem nicht ganz so aussagekräftigen Titel versehene Lied.

Montag, 19. Oktober 2020

Kindersonett: Der Zombie

Der Zombie ruht
am Tag. Er wacht
nur in der Nacht
und sucht nach Blut.

Er (kurz und gut)
gehört mit Macht
bespuckt, verlacht
und ausgebuht.

Der Zombie – nein,
was sag ich hier?
Das kann nicht sein –

ich korrigier
mich, denn ich mein
ja den Vampir!

Dienstag, 29. September 2020

Anderswo (16)

Für die Eisenbart & Meisendraht-Sendung zum Thema Langeweile habe ich den Film Titanic und Schillers Lied von der Glocke leicht verkürzt bedichtet und vorgelesen.

Freitag, 25. September 2020

Anderswo (15)

In der Oktoberausgabe der Titanic findet sich ein Gedicht von mir zur Cancel Culture und ihren fatalen Folgen namens »Nachruf auf einen konservativen Kolumnisten«.

Dienstag, 1. September 2020

Kurze Ballade

Der Knabe im Moor

Junge in
der Natur
klagt: »Wo bin
ich denn nur?«
  
Eulen schrein,
Kälte klirrt,
Geister ... – Nein,
das hier wird
  
ihm zu bunt.
Er ist klug,
flüchtet, und
da der Spuk
  
ihn im Trab
dann verlor,
spricht der Knab:
»Nevermoor!«

Mittwoch, 12. August 2020

Sonett auf ein zertretenes Tier

O Schnake! Du hast viele Namen: Schneider
und Mückenhengst und Schuster. Tja, und wer
Insektenforscher ist, der kennt noch mehr.
Doch darum soll es hier nicht gehen: Leider
fand ich dich heut im Treppenhause recht
beschädigt vor und höchstens halb am Leben;
dein Körper auf der letzten Stufe neben
den abgetrennten Gliedern. Das war schlecht

und tat mir leid. Ich schloss die Wohnung auf
und griff mit meinen noch intakten Händen
zum Staubsauger, um dich nun endlich rauf
ins Schnaken-/Schneider-Paradies zu senden.
Da bist du, vom Gebläse angezogen,
zum ersten Male flügellos geflogen.

Sonntag, 9. August 2020

Gedicht gegen Naturdokumentationen

Ich bin die ganzen Dokus leid
mit all den armen Tieren,
die, für die Frühlingszeit bereit,
im kalten März erfrieren,

die, weil ihr Wald in Flammen steht,
verdursten und verbrennen,
die, weil der Weg nicht weitergeht,
umsonst gen Süden rennen,

die, wegen Rohöl taub und blind,
durch Plastikmeere treiben,
die, weil sie furchtbar hässlich sind,
halt ohne Partner bleiben,

die, jung und süß und leider dumm,
dem Feind entgegenhinken,
die, alt und schwach und leidend, stumm
in Richtung Boden sinken,

die, kurz: trotz ihrer Niedlichkeit
am Schluss nicht triumphieren.
Ich bin die ganzen Dokus leid
mit all den armen Tieren.

Samstag, 1. August 2020

Grabrede auf einen Corona-Leugner

Er liebte Trump und Ken und Q
und Don Alphonsos Zeilen,
und musste das halt immerzu
auf Facebook mit uns teilen.

Ihn schreckte Drostens Tyrannei,
was warn da ein paar Viren?
Kühn trug er Mund und Nase frei
und ging so demonstrieren.

Er hat sich mutig widersetzt,
das Risiko schien nichtig. –
Er lag so häufig falsch und jetzt,
jetzt liegt er erstmals richtig.


PS: Auf Facebook kursiert eine nicht von mir authorisierte Variante des Gedichts (vgl. hier), in der einige Stellen verschlechtert wurden. Außerdem fehlt am Ende ein Reim und ich höre dort auf den originellen Namen »Verfasser: unbekannt«. Diese Version bitte nicht teilen, danke.