Donnerstag, 25. Juni 2020

Gesponsertes Gedicht

Gesponsertes Gedicht 

Ich habe bezüglich der Schwüle
gemischte Gefühle. Und kühle
mein Mütchen bei tropischem Leid
am liebsten mit Fanta und Sprite.

Donnerstag, 18. Juni 2020

Der Historiker

Der Historiker

Er findet raus, was Bismarck las,
   wenn der sich einmal sonnte.
Er weiß, dass Südamerikas
Bevölkerung viel Gold besaß;
und auch, was Adolf Hitler aß,
   bevor er's nicht mehr konnte.

Er hält an großen Werten fest
   und liebt nur, was bemoost ist.
Er schätzt die Wirkung von Asbest,
und trennt den Müll, wenn man ihn lässt,
in Tradition und Überrest,
   weil er nicht ganz bei Trost ist.

Man findet ihn oft ungemein
   gelehrt, ja manchmal: geistreich.
Doch einst lässt er die Forschung sein:
Er bleibt daheim, verfällt dem Wein,
und fährt im Sommer an den Rhein
   und speist reich. Und vergreist reich.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Erlebnis 2

Erlebnis 2: Wiederkehr
Wie alle Fortsetzungen mit noch schlechteren Dialogen

Aus Welten, deren Namen mir noch immer
   ein Rätsel waren, fiel am nächsten Tag
kein neues totes Wesen, nein: ein Schimmer*
durch die Gardinen in mein kleines Zimmer,
   wo ich, weil ich zu schlafen suchte, lag.

*: Statt Schimmer ging auch Flimmer oder Glimmer;
   die Worte sind
laut Duden synonym,               
sie klingen bloß in meinen Ohren schlimmer,   
daher verwend ich Flimmer/Glimmer nimmer.         
   Nein: Schimmer nenn ich dieses Ungetüm.            
(Im eigenen Gedicht bin ich Bestimmer.)  
 
        

Ich sah den Schimmer, da er näher schwebte:
   Er wirkte wie computeranimiert,
und zitterte mit einem Mal und bebte:
Um rauszukriegen, ob er wirklich lebte,
   besann ich mich und fragte intressiert,

woher er komme und zu welchem Ende:
   Der Schimmer schwieg (vielleicht verstand er nicht).
Ich schüttelte den Kopf und hob die Hände
aufs Fenster deutend, dass er rasch verschwände.
   Er zitterte erneut und warf mit Licht.

Der Schimmer warf mit Licht! und allerlei mir
   sehr fremden Dingen (doch primär mit Licht).
Dann sah er meinen Schrecken im Gesicht,
und wurde rot und piepste nur »Verzeih mir!«,
   als reichte das, und flog jäh fort. Ich nicht.



Für Teil 3 (Direct-to-video) ist Nicolas Cage angefragt.

Sonntag, 31. Mai 2020

Erlebnis

Erlebnis

Aus Welten, deren Namen ich nicht kannte
   (ich spräche sie wohl eh nicht richtig aus
(weshalb ich sie auch leichthin »Welten« nannte)),
erschien ein Raumschiff, das empfindlich brannte:
   Es brach entzwei, ein Männchen plumpste raus.

Ich schaute dem Geschöpf nur aus Versehen
   und durch das Küchenfenster zu und rief,
was man halt ruft, wenn Havarien geschehen.
Es konnte mich jedoch nicht recht verstehen,
   weil blauer Schleim aus seinen Ohren lief.

Ich rannte raus, um, was dort rang, zu retten,
   und hätte mich vor R beinah verschluckt.
Ich tupfte, was mir Blut schien, mit Servietten,
bewarf das Wesen hektisch mit Tabletten, –
   und schließlich hat es zögerlich gezuckt.

Ich wollte schon mit Erster Hilfe starten,
   da wankte es und würgte kompliziert,
und seine fünfundvierzig Beine scharrten:
Abrupt verschied das Ding in meinem Garten,
   und damit war der Abend ruiniert.

Freitag, 15. Mai 2020

Endlich wieder Bundesliga

Endlich wieder Elferschinden,
endlich wieder hoch und lang,
endlich wieder Schüsse in den
leider leeren Oberrang.

Endlich wieder Kölner Keller,
endlich wieder Fummelei,
endlich wieder Rudi Völler,
endlich wieder Stress mit Sky.

Endlich wieder Fußballlieder,
oder nicht. Sind eh nicht meins.
Dafür gibt's bald endlich wieder
einen R-Wert über 1.

Freitag, 1. Mai 2020

Mailied

Mailied (feat. Ludwig Uhland)

Die linden Lüfte sind erwacht,
die Welt vergeht vor Blumenpracht,
   und Frühlings-Hashtags trenden.
Auf Wolfsmilchwiesen stirbt Gequak:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Die Gräser wachsen hoch und dicht.
Der Mohn glüht rot. Die Birke nicht,
   sie sorgt bloß für Geflenn, denn
man niest dank ihr den ganzen Tag
und weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Auf all-, auf all-, – Moment, ich hab's:
Auf allen Feldern strahlt der Raps,
   so möchte Gott uns blenden,
weshalb ich nun rhetorisch klag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Die Algenblüte trübt das Meer.
Es grünt und knospt und sprießt so sehr,
   dass Bäume Schatten spenden,
wo noch im März ein Gleisbett lag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Der Klee bricht durch Asphalt und Stein:
Das Land zerfällt. Der DAX stürzt ein.
   Quo vadis, Dividenden?
Verzeihung, dass ich weiter frag:
Wer weiß bloß, was noch werden mag?,
   wann will das Blühen enden?

Vergisst man das florale Leid,
und will man dennoch seine Zeit
   in der Natur verschwenden,
dann machen Nesseln Hautausschlag,
was ich zu kritisieren wag,
indem ich es noch einmal sag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden!

(Man sollte einen Strafantrag
an die Gerichte in Den Haag,
   auf dass es ende, senden.)

Dienstag, 21. April 2020

Anderswo (14)

Ich habe für die Titanic zusammen mit Erich Kästner ein Gedicht über öffnungswütige Ministerpräsidenten und das Land der Küchenbauer geschrieben.

Sonntag, 19. April 2020

Abendlied

Der Strom ist ausgefallen,
aus allen Häusern hallen
Beschwerden hell und klar.
Die fetten Flatscreens schweigen
und aus dem Kühlschrank steigen
Verwesungsdüfte wunderbar.

Wie ist die Welt so stille!
Kein Ballerspiel-Gekille,
das durch die Wohnung dröhnt.
Nur bei der Störungs-Hotline
wird man von fiesen Schrott-Lai'n
blöd hingehalten und verhöhnt.

Was mag auf Facebook stehen?
Wir können es nicht sehen:
wir sind so eingeschränkt.
Kein warmes Wasser fließt mehr.
Man legt sich hin und liest mehr,
doch ist ein bisschen abgelenkt.

Erneut ruft man die Brüder
beim Stadtwerk an. Doch wieder
stehn alle auf dem Schlauch.
Ich bitt dich, Herrgott: Oh Mann,
stell endlich unsern Strom an
und den vom kranken Nachbarn auch.
Und den vom kranken Nachbarn auch.

Dienstag, 31. März 2020

Bitte

Bitte, oder: Naturwissenschaftler sind schlechte Raumausstatter, was allerdings vermutlich auch andersrum gilt


Lieber Astronom, verschone
mich mit deiner zweifelsohne
    substanziellen Expertise:
    Trotz des Chaos bleibt doch diese
Bude, die ich hier bewohne,
eine habitable Zone.