Freitag, 15. Mai 2020

Endlich wieder Bundesliga

Endlich wieder Elferschinden,
endlich wieder hoch und lang,
endlich wieder Schüsse in den
leider leeren Oberrang.

Endlich wieder Kölner Keller,
endlich wieder Fummelei,
endlich wieder Rudi Völler,
endlich wieder Stress mit Sky.

Endlich wieder Fußballlieder,
oder nicht. Sind eh nicht meins.
Dafür gibt's bald endlich wieder
einen R-Wert über 1.

Freitag, 1. Mai 2020

Mailied

Mailied (feat. Ludwig Uhland)

Die linden Lüfte sind erwacht,
die Welt vergeht vor Blumenpracht,
   und Frühlings-Hashtags trenden.
Auf Wolfsmilchwiesen stirbt Gequak:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Die Gräser wachsen hoch und dicht.
Der Mohn glüht rot. Die Birke nicht,
   sie sorgt bloß für Geflenn, denn
man niest dank ihr den ganzen Tag
und weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Auf all-, auf all-, – Moment, ich hab's:
Auf allen Feldern strahlt der Raps,
   so möchte Gott uns blenden,
weshalb ich nun rhetorisch klag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Die Algenblüte trübt das Meer.
Es grünt und knospt und sprießt so sehr,
   dass Bäume Schatten spenden,
wo noch im März ein Gleisbett lag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden.

Der Klee bricht durch Asphalt und Stein:
Das Land zerfällt. Der DAX stürzt ein.
   Quo vadis, Dividenden?
Verzeihung, dass ich weiter frag:
Wer weiß bloß, was noch werden mag?,
   wann will das Blühen enden?

Vergisst man das florale Leid,
und will man dennoch seine Zeit
   in der Natur verschwenden,
dann machen Nesseln Hautausschlag,
was ich zu kritisieren wag,
indem ich es noch einmal sag:
Man weiß nicht, was noch werden mag,
   das Blühen will nicht enden!

(Man sollte einen Strafantrag
an die Gerichte in Den Haag,
   auf dass es ende, senden.)

Dienstag, 21. April 2020

Anderswo (14)

Ich habe für die Titanic zusammen mit Erich Kästner ein Gedicht über öffnungswütige Ministerpräsidenten und das Land der Küchenbauer geschrieben.

Sonntag, 19. April 2020

Abendlied

Der Strom ist ausgefallen,
aus allen Häusern hallen
Beschwerden hell und klar.
Die fetten Flatscreens schweigen
und aus dem Kühlschrank steigen
Verwesungsdüfte wunderbar.

Wie ist die Welt so stille!
Kein Ballerspiel-Gekille,
das durch die Wohnung dröhnt.
Nur bei der Störungs-Hotline
wird man von fiesen Schrott-Lai'n
blöd hingehalten und verhöhnt.

Was mag auf Facebook stehen?
Wir können es nicht sehen:
wir sind so eingeschränkt.
Kein warmes Wasser fließt mehr.
Man legt sich hin und liest mehr,
doch ist ein bisschen abgelenkt.

Erneut ruft man die Brüder
beim Stadtwerk an. Doch wieder
stehn alle auf dem Schlauch.
Ich bitt dich, Herrgott: Oh Mann,
stell endlich unsern Strom an
und den vom kranken Nachbarn auch.
Und den vom kranken Nachbarn auch.

Dienstag, 31. März 2020

Bitte

Bitte, oder: Naturwissenschaftler sind schlechte Raumausstatter, was allerdings vermutlich auch andersrum gilt


Lieber Astronom, verschone
mich mit deiner zweifelsohne
    substanziellen Expertise:
    Trotz des Chaos bleibt doch diese
Bude, die ich hier bewohne,
eine habitable Zone.

Sonntag, 22. März 2020

Anderswo (13)

Ich habe für die sehr gute Nürnberger Radiosendung Greisenfart & Speisendarts Eisenbart & Meisendraht ein Traumsonett geschrieben und eingelesen.