Montag, 22. März 2021

Anderswo (20)

Bei Reclam ist der von Anton G. Leitner herausgegebene Band Gedichte für alle Liebeslagen erschienen, auf Seite 70 findet sich auch ein Beitrag von mir.

Montag, 15. März 2021

Lob der dritten Welle

Lob der dritten Welle

Ich habe echt nichts unversucht gelassen,
ich leckte im Büro an fremden Tassen,
lief maskenlos bei Tönnies durch die Pforte.
Und trotzdem zeigt die App nur diese Worte:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Ich reiste voller Hoffnung in den Osten,
retweetete stets lieber Streeck als Drosten;
wenn jemand hustet, renn ich ihm entgegen.
Die Pixel wolln sich dennoch nicht bewegen:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Lang konnte mich Corona ignorieren.
Wie gut, dass wir jetzt ganz kapitulieren:
Dank Laschet, Hildmann, Spahn und Malle-Flügen
sind meine Chancen endlich stark gestiegen
   auf Risiko-Begegnungen.

Freitag, 12. März 2021

Der Einzelhandel ist zufrieden

Der Einzelhandel ist zufrieden
Auf einen NDR-Artikel, in dem gejubelt wird: "Der Einzelhandel freut sich über einen gelungenen Neustart nach dem Corona-Lockdown. Viele Innenstädte waren voll."

Der Winter ist dahingeschieden.
Jetzt singt der Fink. Jetzt grünt der Strauch.

Und alle, die es lange mieden,
stehn sich die Beine in den Bauch:

In Innenstädten juchzen sie, denn
jetzt gibt's erneut, was keiner brauch.

Der Einzelhandel ist zufrieden
und das Coronavirus auch.

Donnerstag, 11. Februar 2021

Raufaserfabel

Ich hockte heute hilflos da
und wusste nichts zu schreiben,
und war also den Tränen nah
und ließ es eben bleiben:

Na gut, dann kein Gedicht. Ich schloss
die Word-Datei und drehte
mein blödes Haupt gen Dachgeschoss
und schaute auf: Tapete.

Tapete! Klaro! Weltbekannt,
doch niemals je besungen.
Ich reimte Wand auf blaues Band
und bin vor Glück gesprungen. –

Doch da die Decke niedrig hing

(ich mag es fast nicht sagen),
hab ich mir da den, na, den Ding,
den Schädel aufgeschlagen.

Da setzten die Gedanken aus.

Jetzt liege ich im Krankenhaus.


Freitag, 27. November 2020

Nachruf auf ein Smartphone

Mein lieber Freund, es tut mir leid:
   Ich lege dich zur Seite.
Wir hatten eine schöne Zeit,
doch schließlich ist es jetzt so weit:
   Ich such, verzeih!, das Weite.

Dein Äußres war's, was für dich sprach;
   dein Inneres nicht minder!
Doch leider ließ dein Akku nach,
und müde keuchtest du: »Gemach!«
   bei jedem Match auf Tinder.

Ich wagte darum jetzt den Schritt,
   dich endlich abzulösen. –
Nun darfst du selig und zu dritt
in irgendeiner Kiste mit
   den andern alten Dingern dösen.

Samstag, 21. November 2020

Anderswo (18)

In der neuen Ausgabe #28 von Das Gedicht namens Die Wiederentdeckung der Liebe stehen neben zahllosen Gedichten von u. a. Jan Wagner, Kerstin Hensel und Carsten Stephan auch zwei von mir, nämlich: Gesang eines verliebten Fischverkäufers und das mit einem nicht ganz so aussagekräftigen Titel versehene Lied.

Montag, 19. Oktober 2020

Kindersonett: Der Zombie

Der Zombie ruht
am Tag. Er wacht
nur in der Nacht
und sucht nach Blut.

Er (kurz und gut)
gehört mit Macht
bespuckt, verlacht
und ausgebuht.

Der Zombie – nein,
was sag ich hier?
Das kann nicht sein –

ich korrigier
mich, denn ich mein
ja den Vampir!

Dienstag, 29. September 2020

Anderswo (16)

Für die Eisenbart & Meisendraht-Sendung zum Thema Langeweile habe ich den Film Titanic und Schillers Lied von der Glocke leicht verkürzt bedichtet und vorgelesen.