Mittwoch, 20. April 2022

Pro Wespen

            »If all things have a purpose,
            What on earth can wasps be for?«
            – Pam Ayres, The Wasp He Is a Nasty One

Man kann mit ihnen ordentlich jonglieren.
Mit Tennisbällen geht’s noch besser, ja,
doch hat man grade keine Bälle da,
dann wirft man lieber mit so kleinen Tieren

und nicht mit Hammerhaien, beispielsweise;
der Artenschutz erschwert das außerdem,
auch die Beschaffung wär wohl ein Problem.
Doch Wespen gibt’s genug und sie sind leise,

wenn sie dann doch einmal zu Boden sinken:
Sie schütteln sich nur kurz und surren weg
und fangen nicht nach kurzem an zu stinken

und hinterlassen dabei keinen Fleck
und brauchen kein spezifisches Gewässer.
Doch Tennisbälle sind wahrscheinlich besser.

Montag, 14. März 2022

Selbsttest-Sonett

Die Nase ist ein kleines bisschen dicht:
Wie dicht darf diese Nase höchstens sein,
bis meine Ärztin von Erkältung spricht?
Jetzt kratzt der, oder bild ich mir das ein?,

jetzt kratzt der Hals. Kann das der Pollenflug
im März bewirken? Tat er’s je zuvor?
Ist es zu warm bei mir? Herrscht zu viel Zug?
Und woher kommt der Druck im linken Ohr?

Ist dieser Leberfleck ein Karzinom?
(Halt, darum geht’s hier nicht.) Am Morgen schlief
mein Fuß kurz ein. Gilt das schon als Symptom?

So, Viertelstunde rum, und: negativ. –
Das hoffnungslose Hirn des Hypochonders,
es nervt in Pandemiezeiten besonders.

Dienstag, 8. Februar 2022

Echt?

Schläft ein Lied in allen Dingen?
Schwer zu sagen. Eher nein.
Klar, man kann vom Ringen singen,
von der Pein mit Raucherbein

und vom Wringen und vom Swingen
und vom schönen Liechtenstein.
Aber wird der Sang gelingen?
Soll er nicht erhaben sein

und nur Würdiges behandeln,
wie die Liebe und so Kram,
statt den Kanon zu verschandeln?

Poesie ist wundersam,
tiefstes Schwarz und hellstes Licht!
Bestes Beispiel: dies Gedicht.