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Montag, 14. März 2022

Selbsttest-Sonett

Die Nase ist ein kleines bisschen dicht:
Wie dicht darf diese Nase höchstens sein,
bis meine Ärztin von Erkältung spricht?
Jetzt kratzt der, oder bild ich mir das ein?,

jetzt kratzt der Hals. Kann das der Pollenflug
im März bewirken? Tat er’s je zuvor?
Ist es zu warm bei mir? Herrscht zu viel Zug?
Und woher kommt der Druck im linken Ohr?

Ist dieser Leberfleck ein Karzinom?
(Halt, darum geht’s hier nicht.) Am Morgen schlief
mein Fuß kurz ein. Gilt das schon als Symptom?

So, Viertelstunde rum, und: negativ. –
Das hoffnungslose Hirn des Hypochonders,
es nervt in Pandemiezeiten besonders.

Montag, 15. März 2021

Lob der dritten Welle

Lob der dritten Welle

Ich habe echt nichts unversucht gelassen,
ich leckte im Büro an fremden Tassen,
lief maskenlos bei Tönnies durch die Pforte.
Und trotzdem zeigt die App nur diese Worte:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Ich reiste voller Hoffnung in den Osten,
retweetete stets lieber Streeck als Drosten;
wenn jemand hustet, renn ich ihm entgegen.
Die Pixel wolln sich dennoch nicht bewegen:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Lang konnte mich Corona ignorieren.
Wie gut, dass wir jetzt ganz kapitulieren:
Dank Laschet, Hildmann, Spahn und Malle-Flügen
sind meine Chancen endlich stark gestiegen
   auf Risiko-Begegnungen.

Freitag, 12. März 2021

Der Einzelhandel ist zufrieden

Der Einzelhandel ist zufrieden
Auf einen NDR-Artikel, in dem gejubelt wird: "Der Einzelhandel freut sich über einen gelungenen Neustart nach dem Corona-Lockdown. Viele Innenstädte waren voll."

Der Winter ist dahingeschieden.
Jetzt singt der Fink. Jetzt grünt der Strauch.

Und alle, die es lange mieden,
stehn sich die Beine in den Bauch:

In Innenstädten juchzen sie, denn
jetzt gibt's erneut, was keiner brauch.

Der Einzelhandel ist zufrieden
und das Coronavirus auch.

Samstag, 1. August 2020

Grabrede auf einen Corona-Leugner

Er liebte Trump und Ken und Q
und Don Alphonsos Zeilen,
und musste das halt immerzu
auf Facebook mit uns teilen.

Ihn schreckte Drostens Tyrannei,
was warn da ein paar Viren?
Kühn trug er Mund und Nase frei
und ging so demonstrieren.

Er hat sich mutig widersetzt,
das Risiko schien nichtig. –
Er lag so häufig falsch und jetzt,
jetzt liegt er erstmals richtig.


PS: Auf Facebook kursiert eine nicht von mir autorisierte Variante des Gedichts (vgl. hier), in der einige Stellen verschlechtert wurden. Außerdem fehlt am Ende ein Reim und ich höre dort auf den originellen Namen »Verfasser: unbekannt«. Diese Version bitte nicht teilen, danke.

Sonntag, 19. Juli 2020

Ein Gedicht

Was man übern Winter gern
(na gut: nicht gerne, aber doch) vergisst:
Wie schlimm das schlimmste je vom Herrn
erschaffne Wesen, die Hornisse, ist.

Sie sieht sehr krass gefährlich aus
und summt so laut wie nichts sonst auf der Welt.
Das ist ein Fakt (im Grunde zwei), der über Nikolaus
und Heiligabend allerdings entfällt.

So bin ich jedes Jahr im Juli dann erneut
ganz baff, dass mich son Helikopter sticht,
und schreibe dann, weil mir mein Therapeut
das nahelegt, darüber ein Gedicht.

Donnerstag, 25. Juni 2020

Gesponsertes Gedicht

Gesponsertes Gedicht 

Ich habe bezüglich der Schwüle
gemischte Gefühle. Und kühle
mein Mütchen bei tropischem Leid
am liebsten mit Fanta und Sprite.

Freitag, 15. Mai 2020

Endlich wieder Bundesliga

Endlich wieder Elferschinden,
endlich wieder hoch und lang,
endlich wieder Schüsse in den
leider leeren Oberrang.

Endlich wieder Kölner Keller,
endlich wieder Fummelei,
endlich wieder Rudi Völler,
endlich wieder Stress mit Sky.

Endlich wieder Fußballlieder,
oder nicht. Sind eh nicht meins.
Dafür gibt's bald endlich wieder
einen R-Wert über 1.

Sonntag, 19. April 2020

Abendlied

Der Strom ist ausgefallen,
aus allen Häusern hallen
Beschwerden hell und klar.
Die fetten Flatscreens schweigen
und aus dem Kühlschrank steigen
Verwesungsdüfte wunderbar.

Wie ist die Welt so stille!
Kein Ballerspiel-Gekille,
das durch die Wohnung dröhnt.
Nur bei der Störungs-Hotline
wird man von fiesen Schrott-Lai'n
blöd hingehalten und verhöhnt.

Was mag auf Facebook stehen?
Wir können es nicht sehen:
wir sind so eingeschränkt.
Kein warmes Wasser fließt mehr.
Man legt sich hin und liest mehr,
doch ist ein bisschen abgelenkt.

Erneut ruft man die Brüder
beim Stadtwerk an. Doch wieder
stehn alle auf dem Schlauch.
Ich bitt dich, Herrgott: Oh Mann,
stell endlich unsern Strom an
und den vom kranken Nachbarn auch.
Und den vom kranken Nachbarn auch.

Mittwoch, 18. März 2020

18.03.2020

18.03.2020

Die Kanzlerin
im Fernsehn drin
sagt, Solidarität sei gut.
Die Börse fällt
und alle Welt
wirkt nicht so richtig ausgeruht.

Ich bleib im Haus.
Der Sport fällt aus.
Geschäfte sind zum Großteil zu.
Vom Pol zum Kap
wird alles knapp.
Ich lieg im Bett und seufze Puh

und döse trist
und träume Mist
und bin schon lang vor 7 wach. –
Verschlafne Zeit
wär grade weit-
aus angenehmer. Aber: ach.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Horror-Karriere

Einst packte ich am Cello (wie 'n
versierter Cello-fellow) Wien.
Nun hocke ich an Halloween
daheim und hör mit Bello Ween.

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Sehr kurze Ballade

Sehr kurze Ballade über einen unerfahrenen Bahnreisenden

Er öffnete die Tür: Er stand,
bemerkte er, im Führerstand
und störte dort wohl wen:

»Mach hinne, dass du fort bist!« Roh
schrie der. Er floh gen Bordbistro
und ward nicht mehr gesehn.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Der Radfahrer

Der Radfahrer

Der Berg ist steil. Die Abfahrt kurz.
Dann kommt er auf die Grade.
Nun naht das Ziel. Beginn des Spurts.
Es regnete. Das ist ihm schnurz.
Er tritt und tritt und tritt und Sturz.
Tja, schade.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Hilferuf

Hilferuf

Der Dichter spricht,
lauscht konzentriert!
»Wer ein Gedicht
schreibt, der verliert

die Übersicht
und manövriert
nur schlicht und nicht
sehr routiniert. –

So irr ich blind
durchs Labyrinth
des Strophenbaus

und rufe aus:
Ich fürcht, ich find
hier nicht mehr raus, ich will nach Haus zu Frau und Kind!«

Montag, 2. April 2018

Erinnerung/Lob der Müdigkeit

Erinnerung/Lob der Müdigkeit

 

Als einst die ersten UFOs erdwärts schwebten,
lag ich im Bett und ahnte nichts davon.
Ich träumte bloß vom Promi-Biathlon,
und spürte nicht, dass alle Straßen bebten.

Die Hauptstadt hieß zu dieser Zeit noch Bonn,
und manche, die inzwischen tot sind, lebten.
Die Gliederfüßer an der Decke webten.
Ein grüner Strahl zerstob das Pentagon.

Ich schreckte auf, doch schlief schon wieder ein.
Die Marsianer schossen tausendmal,
und viele abgegebne Schüsse trafen.

In fernen Häusern mochten Menschen schrein.
(Ich hörte nichts.) Und komme zur Moral:
Am Ende aller Tage soll man schlafen.

Donnerstag, 7. Juli 2016

EM-Sonett VI

EM-Sonett VI
Lied des Kommentators: Deutschland - Frankreich 0:2 (0:1)


Was nützt's, dass ich den Gegner an die Wand spiel
mit feinen Pässen und dem ganzen Rest,
dass meine Abwehr ungeheuer presst;
wenn Schweini sich vergreift: Elfmeter (Handspiel)?

Was nützt es ferner, dass ich dominant spiel?
Das Schland-Spiel: insgesamt so sattelfest;
wenn man den Gegner Tore schießen lässt?
Ey Stürmer, dribbel nicht nur elegant, spiel!!!

Wir waren einst die Heimstatt der Genies, Mann!,
von Goethe, Schiller, Heine, Olli Kahn.
Jetzt warf ein Team mit Hahn uns aus der Bahn.

Der Mann des Spiels nicht Müller, sondern Griezmann.
Die Welt ist schlecht und aus dem Himmel weint's.
Und morgen geht mein Flugzeug Richtung Mainz. :-(

Sonntag, 3. Juli 2016

EM-Sonett V

EM-Sonett V
Deutschland - Italien 7:6 (1:1, 0:0) n. E.


Kennst du das Land, das die Elfmeter in
die Wolken schoss und/oder Neuers Hände?
Das hinten stand, als ob das Glück dort stände;
und hinten stand das Glück auch zu Beginn,

doch nicht am Ende.
Denn wenn ich richtig unterrichtet bin,
verlor das Land ja doch. Dahin, dahin
die Hoffnung. Schließlich jubelte der Fan (DE).

Kennst du das Land, das nun zum ersten Male
(denn Hectors Schüsslein war der Schicksalsschlag)
den Deutschen, da es zählte, unterlag?

Jetzt ist gleich mit dem Viertel- schon finale.
Kennst du das Land der völlig Titelfernen?
Du kennst es nicht? Du wirst es – Quatsch, du hast das Spiel ja wohl gesehen und das Land
                 folglich spätestens da kennengelernt, zumal es auch noch in der Überschrift genannt
                 wird. Ich entschuldige mich für die Frage.

Sonntag, 26. Juni 2016

EM-Sonett IV

Europameisterschafts-Sonett IV
Ein Bericht von der Fanmeile: Deutschland - Slowakei 3:0 (2:0)

Das 1:0 fiel früh und klebte mir
(man warf mit Bechern) lange in den Haaren.
Ich möchte mir ein Elfer-Urteil sparen,
denn da erstand ich grad ein neues Bier.

Ich konnte bloß aus zweiter Hand erfahren,
dass Özil ihn verschoss, doch c'est la wir
(das ist ein Wortspiel!) führten bald mit vier
und fünf zu null, weil wir die Bessren waren.

Sonst weiß ich nicht mehr allzu viel vom Spiel.
Obwohl: Ich trank vom Fass, nicht aus der Lethe!
Doch fast so elegant wie Draxler drehte

sich alles um mich rum. Ich c'est la fiel,
und sah mich die EM-Trophäe heben.
Ich höre auf, ich muss mich übergeben.*



*: Leihvers von Hermann Hesse.

Dienstag, 21. Juni 2016

Europameisterschafts-Sonett III

Europameisterschafts-Sonett III
Seufzer nach Nordirland - Deutschland 0:1 (0:1)


Einen Lobgesang auf Kimmich,
Gomez und so weiter stimm ich
nicht (das Spiel lief schließlich grimmig*)
                                           an:

Dass nicht alles klappt, verstehn wir,
in die nächste Runde gehn wir:
Ob sich dort was bessert, sehn wir
                                       dann.

Tore, nicht bloß hübsche Haken,
müssen gegen die Slowaken**
                                   ran***.

Was von nun an zählt, sind Siege:
Wo man gegen die**** doch nie***** ge-
                                        wann...


*: Das stimmt zugegebenermaßen nicht so ganz, aber finden Sie mal einen vernünftigen dritten Reim auf -immig!
**: Oder Albaner.
***: Bzw. her.
****: Die Slowaken, nicht die Albaner.
*****: Lies: vor einigen Wochen (vgl. hier) nicht.

Freitag, 17. Juni 2016

Europameisterschafts-Sonett II

Europameisterschafts-Sonett II:
Durchhalteparolen nach Deutschland - Polen 0:0


Welch Wahnsinns-Match! O Offensiv-Lawine!
Die Pässe: fein, das Stellungsspiel: famos,
die Schüsse: zahlreich. Ja, es war was los,
beim Sieg Nordirlands gegen Ukraine.

Naturgemäß verblasst da das Gekroos
der Deutschen, die mit unbewegter Miene
und einem 0:0 in die Kabine
verschwanden. Draußen Buhs statt Ahs und Ohs.

Zu sehn, wie Götze durch den Strafraum irrt,
kann keinem Kenner ernstlich Spaß bereiten.
Jedoch: Es kommen wieder bessre Zeiten;

ob sie auch murkste: Jogis Mannschaft wird
statt in die Hose nach dem Titel greifen:
Drum wende dich nicht ab, nein, bleib dabei, Fan!