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Montag, 19. Februar 2024

Vermeer: Dienstmagd mit Milchkrug

Der Herr hat schlimme Angst vor fernen Ländern
und starke Meinungen zum Thema Gendern.
   Er hinterlässt, wohin er geht, nur Gülle.
Nun ist er aufgewacht und muss sich stärken.
Viel Fleisch will er. Mal sehn, wird er es merken,
   wenn ich den Krug mit Hafermilch ihm fülle?

Bild

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Mathe-Lied

Dass Deutschland in früheren Pisa-Studien besser abschnitt als gegenwärtig, liegt meines Erachtens vor allem daran, dass meine Klausuren damals nicht einbezogen wurden. Beweis: dieses ziemlich alte, meinem Mathelehrer in der Oberstufe gewidmete Gedicht.

Bonjour Monsieur!  Nein, falsches Fach: 
Herr K., wir klagten ständig Ach!,
   und lagen beide richtig.
Es gab ja durchaus Schüler, die 
erhörten und verstanden Sie,
   und folgten strebsam. Nicht ich.

Sie sprachen klug von hohem Kram
und zählten hin und her. Ich kam
   mit Müh und Not bis 7.
Dahinter bin ich eingedöst,
sodass Sie 
»Völlig falsch gelöst!« 
   auf die Klausuren schrieben.

Frau S. (Musik) blieb gern zuhaus,
auch Kunst und Sport fieln häufig aus.  
   Sie waren stets zur Stelle 
und machten bis zum Abitur 
das Klassenzimmer leider zur
   Dreiviertelstunden-Zelle.

Sie winkten mich, wohl weil ich still
war und nicht störte, durch. Ich will
   Sie daher nicht verurteiln
und füge bloß pro forma an:
Nichts gibt es, das uns einen kann,
   weil uns die Zahlen nur teiln.

Samstag, 29. Juli 2023

Wenn die Möwe nicht mehr kann

Wenn die Möwe nicht mehr kann,
fängt sie schlimm zu schwanken an.
Ihre Flügel werden schwer
und sie weiß nicht mehr: woher

und sie weiß nicht mehr: wohin,
und das hätt auch keinen Sinn,
da sie den geplanten Stopp
nie erreichen wird. Und ob

sie von ihrem Schicksal ahnt?,
einer Vogelgottheit grollt?,
oder Abschiedsworte plant?,
oder einfach hilflos schmollt?

Oder lächelt sie zum Schluss,
weil sie nie mehr voll Verdruss
fucking Fische fressen muss?

Sonntag, 11. Dezember 2022

Anderswo (27)

In der neuen Ausgabe von Das Gedicht stehen zwei Gedichte von mir: Das harte Los der dänischen Spinnennetzfischer & Die Abschaffung der Schwerkraft.

Dienstag, 6. September 2022

Anderswo (25)

Bei Reclam erscheint heute die Anthologie Lichtblicke. Gedichte, die Hoffnung machen, hrsg. von Anton G. Leitner. Von mir ist das Sonett Die Entführung enthalten.

Dienstag, 16. August 2022

Es ist zu warm zum Dichten

Mied Wunschtraums Zitze
Sandwich stürzt um: Mieze
Mitmische Wunderzusatz
Media-Umsturz, schwitzen

März. Stichwunde zumeist
Immerzu Schwatz-Studien
Muschis Zimt wanderte zu
Mund musizierte Schwatz

Im Wurmstiche Zündsätze
Museum schnitzt Zweirad
Achim duzte, Sims würzten

Urzustand: wetze mimisch
Züchte mir Ass-Mund-Witze
AI im Schmutz zeternd usw.


Mit Hilfe von ingesanagram.com

Mittwoch, 22. Juni 2022

Dies ist ein Sonett für alle

Dies ist ein Sonett für alle,
die keine Sonette mögen.
Es ist besser bekömmlich
als die meisten gut bekömmlichen Speisen,

es ist kürzer als die meisten Romane, 
es ist länger als die meisten Haikus,
es ist wendiger als die meisten Feldkaninchen,
es ist anschaulicher als die meisten Gemälde.

Fast alle Zeilen dieses Sonetts
sind durchdacht, erhellend und aufrichtig.
Nur diese nicht.

Jetzt fehlen noch drei Verse, 
aber den meisten, die keine Sonette mögen, 
fiele das nicht auf.

Dienstag, 31. Mai 2022

Anderswo (23)

Für die Juni-Ausgabe der Titanic habe ich dem sehr großen und sehr deutschen Dichter Uwe T. aus D. zugehört und seine Klagen in ein Sonett gegossen.

Mittwoch, 20. April 2022

Pro Wespen

            »If all things have a purpose,
            What on earth can wasps be for?«
            – Pam Ayres, The Wasp He Is a Nasty One

Man kann mit ihnen ordentlich jonglieren.
Mit Tennisbällen geht’s noch besser, ja,
doch hat man grade keine Bälle da,
dann wirft man lieber mit so kleinen Tieren

und nicht mit Hammerhaien, beispielsweise;
der Artenschutz erschwert das außerdem,
auch die Beschaffung wär wohl ein Problem.
Doch Wespen gibt’s genug und sie sind leise,

wenn sie dann doch einmal zu Boden sinken:
Sie schütteln sich nur kurz und surren weg
und fangen nicht nach kurzem an zu stinken

und hinterlassen dabei keinen Fleck
und brauchen kein spezifisches Gewässer.
Doch Tennisbälle sind wahrscheinlich besser.

Montag, 14. März 2022

Selbsttest-Sonett

Die Nase ist ein kleines bisschen dicht:
Wie dicht darf diese Nase höchstens sein,
bis meine Ärztin von Erkältung spricht?
Jetzt kratzt der, oder bild ich mir das ein?,

jetzt kratzt der Hals. Kann das der Pollenflug
im März bewirken? Tat er’s je zuvor?
Ist es zu warm bei mir? Herrscht zu viel Zug?
Und woher kommt der Druck im linken Ohr?

Ist dieser Leberfleck ein Karzinom?
(Halt, darum geht’s hier nicht.) Am Morgen schlief
mein Fuß kurz ein. Gilt das schon als Symptom?

So, Viertelstunde rum, und: negativ. –
Das hoffnungslose Hirn des Hypochonders,
es nervt in Pandemiezeiten besonders.

Dienstag, 8. Februar 2022

Echt?

Schläft ein Lied in allen Dingen?
Schwer zu sagen. Eher nein.
Klar, man kann vom Ringen singen,
von der Pein mit Raucherbein

und vom Wringen und vom Swingen
und vom schönen Liechtenstein.
Aber wird der Sang gelingen?
Soll er nicht erhaben sein

und nur Würdiges behandeln,
wie die Liebe und so Kram,
statt den Kanon zu verschandeln?

Poesie ist wundersam,
tiefstes Schwarz und hellstes Licht!
Bestes Beispiel: dies Gedicht.

Freitag, 26. November 2021

Anderswo (21.5)

Vor kurzem lief im RBB wieder mein Gedicht Lob des Rosenkohls und hiermit sei daran erinnert, dass es sich auch weiterhin online in der ARD-Audiothek anhören lässt.

Nächstes Jahr wird es übrigens endlich in meinem ersten Gedichtband stehen. Ich werde euch über Erscheinungsdatum usw. auf dem Laufenden halten.

Dienstag, 7. September 2021

Wünschelrute

Wünschelrute
Für Eichendorff?

Schläft ein Lied in allen Dingen?
Die da träumen fort und fort?
Und die Welt hebt an zu singen?
Triffst du nur das Zauberwort?

Donnerstag, 24. Juni 2021

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

Ein Königskind
jongliert, traktiert
von zu viel Wind,
und so passiert

ein Zwischenfall:
Ihr plumpst, oh nein!,
der güldne Ball
ins Wasser rein.

Und nun? Ihr Pa
hat, wie es scheint,
nicht noch 'nen da.
Die Ärmste weint.

Doch gottlob stiert
ein Frosch empor
und apportiert
wie 'n Labrador,

weil sie versprach,
was er erbat.
Er sagt danach:
»Da ich es tat,

nehmt hoheitsvoll
mich mit, hier raus!«
Sie murmelt: »Lol.«
und hüpft nachhaus.

Da er sie stalkt
(der Frosch ist zäh)
und zu ihr walkt,
ruft sie bald: »Bäh!«

und knallt den Lurch
an eine Wand.
Er wird dadurch
als Prinz erkannt:

Stabiles Kreuz!
So maskulin!
Auch Heinrich freut's.
Wie schön für ihn.

Montag, 22. März 2021

Anderswo (20)

Bei Reclam ist der von Anton G. Leitner herausgegebene Band Gedichte für alle Liebeslagen erschienen, auf Seite 70 findet sich auch ein Beitrag von mir.

Montag, 15. März 2021

Lob der dritten Welle

Lob der dritten Welle

Ich habe echt nichts unversucht gelassen,
ich leckte im Büro an fremden Tassen,
lief maskenlos bei Tönnies durch die Pforte.
Und trotzdem zeigt die App nur diese Worte:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Ich reiste voller Hoffnung in den Osten,
retweetete stets lieber Streeck als Drosten;
wenn jemand hustet, renn ich ihm entgegen.
Die Pixel wolln sich dennoch nicht bewegen:
   Keine Risiko-Begegnungen.

Lang konnte mich Corona ignorieren.
Wie gut, dass wir jetzt ganz kapitulieren:
Dank Laschet, Hildmann, Spahn und Malle-Flügen
sind meine Chancen endlich stark gestiegen
   auf Risiko-Begegnungen.

Freitag, 12. März 2021

Der Einzelhandel ist zufrieden

Der Einzelhandel ist zufrieden
Auf einen NDR-Artikel, in dem gejubelt wird: "Der Einzelhandel freut sich über einen gelungenen Neustart nach dem Corona-Lockdown. Viele Innenstädte waren voll."

Der Winter ist dahingeschieden.
Jetzt singt der Fink. Jetzt grünt der Strauch.

Und alle, die es lange mieden,
stehn sich die Beine in den Bauch:

In Innenstädten juchzen sie, denn
jetzt gibt's erneut, was keiner brauch.

Der Einzelhandel ist zufrieden
und das Coronavirus auch.

Donnerstag, 24. Dezember 2020