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Donnerstag, 22. Dezember 2016

B-Seiten 2016, Teil 2

Hier geht's zu Teil 1.


I

2016 war auch das Jahr der naheliegenden, billigen Witze, die – anders als teure, demnächst abgeschaffte Geldscheine – auf der Straße lagen und von mir zu Sonetten zerdehnt wurden:

Nachruf auf den 500-Euro-Schein

500er, du Rätsel! Du Versprechen!
Du roter (oder violetter?) Stern!
Dich liebt die Welt, und mehr als einen Herrn
sah man für dich schon fremde Knochen brechen.

500er, dich haben alle gern!
Nur einer namens Draghi will dich schwächen,
dich (metaphorisch) hinterrücks erstechen:
Doch mir, oh bitte glaub das, liegt dies fern.

500er, du Rätsel (siehe oben)!
Ich komme nicht umhin, dir zu geloben:
Ich möchte ewig deinen Namen nennen.

500er, du schönster aller Scheine!
Bald trägt man dich zu Grabe, und ich weine:
Wir lernten uns doch niemals richtig kennen!


II

Das obligatorische Tiergedicht im naiven Ringelnatz-Ton:

Lied der Hausspinne

Verschont mich!, denn ich bin bloß eine kleine
Erscheinung: das Klischee des Bösewichts,
und geb's ja gerne zu: Ich hab acht Beine.
Doch dafür kann ich nichts.

Ihr liebt mich nicht, wie ihr zum Beispiel Katzen
beziehungsweise Rauhaardackel liebt.
Ihr nehmt halt hin, dass es mich gibt,
und schneidet hinter meinem Rücken Fratzen,

falls ihr nicht gleich zum Handstaubsauger greift.
Ihr seht mich an, als solle ich verschwinden
(was ihr bisweilen sogar wörtlich keift):
Wohin denn? –

Nur nächtens streif ich ohne Furcht umher,
erblick mein Schicksal vor mir. Und beklag es.
Und seufze schwer. Ich säh gern eines Tages
noch das Meer...


III

Bescheidener Beitrag zur Poetik des Limericks
Stilecht holpernd

Jeder Dichter gehört doch gepfählt,
der noch heute den Limerick wählt;
der die Reimregeln nicht kennt,
doch sein Schundwerk Gedicht nennt,
das in Vers 6 zur Pointe sich quält.
(Oder 5? Fuck, ich hab mich verzählt!)


IV

Literaturkritik

Das beste Buch von Heine ist
noch immer das der Lieder.
Es gilt dem Liebchen, die* der
Herr Dichter immer wieder
und häufig kreuzgereimt vermisst.

Der (Wortspiel!) tiefste Text von Hei-
ne übrigens ist auch dabei:
Er handelt von der Loreley.

* Lies: das


V

Ein schreckliches Kind
Übertragung von ›A terrible infant‹ von Frederick Locker-Lampson

Mein Kindermädchen namens Ann
trug mich einmal spazieren und
traf dabei einen jungen Mann,
der küsste sie auf ihren Mund:

Kein bisschen Streit war das Ergebnis!
Ich dacht: »Aha!
Das sag ich, wenn ich's kann, Mama.«

Das war mein frühestes Erlebnis.


Donnerstag, 15. Dezember 2016

B-Seiten 2016, Teil 1

Mäßige bis schlechte Gedichte machen, wenn sie alleine stehen, einen verheerenden Eindruck. In der Masse jedoch fällt manche Schwäche nicht so sehr ins Auge – ein Umstand, den man das Eugen-Roth-Auswahlband-Phänomen nennen könnte.
Na, jedenfalls: Wie 2015 (vgl. hier) folgt an dieser Stelle eine Auswahl meiner unveröffentlichten Gedichte aus den vergangenen Monaten, heuer in zwei Teilen.


I

Teil 1 beginnt mit einem Text aus dem Frühling: Thilo Sarrazin veröffentlichte sein neues Standardwerk »Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so häufig scheitert«, dessen Themenfelder ich in den folgenden Versen skizzierte:

Sarrazins Wunschdenken
In Reimform gebracht

Das Land zerbricht, der Syrer sticht
und plündert nach Belieben.
Ich bin entsetzt und habe jetzt
ein Buch dazu geschrieben.
Ich zähle zwar auf Ihren Kauf,
doch führ schon mal die Thesen auf:

Europa fällt, da alle Welt
als Flüchtling akzeptiert wird.
Das Ende naht, weil unser Staat
seit Jahren falsch regiert wird:
Doch auf der Seite 108
erklär ich, wie man's richtig macht.

Die Währung wankt, die Wirtschaft krankt,
VW liegt brach: so traurig!
Was Wolfsburg war, wird Kandahar. –
Wen das nicht rührt, bedaur ich.
Sie schätzen Geld so sehr wie ich?
Dann investieren Sie's in mich!

Zur Bildung: Bernd aus Freital lernt
nun nicht mehr richtig rechnen,
denn Ibrahim entwendet ihm
die Zahlen (was ich frech nenn!).
Die Jugend liest heut Böll und Co.
statt Weininger und Gobineau.

Die Migration schlägt unsre schon
bisweilen groben Epen
in Sachen Blut. Nun ist es gut,
wir brauchen eine le Pen!
Statt Merkel, Morus, Bloch: Pegi-
da sei uns Deutschen Utopie!

Mehr steht nicht drin. In diesem Sinn:
Auf dass mein Buch uns rette!
Erstehn Sie's fein in Leinen ein-
gebunden/auf Diskette,
und lesen Sie es ganz genau!
Ich schließe nun mit Grüßen. Ciao.


II

2016 wird bekanntlich in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem die Promis ausstarben. Der folgende Nachruf ist ohne konkretes Ziel, reimt sich aber immerhin ganz schön:

Nachruf auf irgendeinen Komiker

»Wegbereiter«
und so weiter
wurde er genannt,
seit er
Heiter-
keit er-
fand.


III

Kindersonett: Frankreich

Warst du schon ein-
mal in Paris?
Sag, trankst du Wein
und schlucktest Brie und spucktest »Ihh!«?

Franzosen schrein
oft »C'est la vie!« –
was soll das sein?
Verstehst du sie? (Ich tat es nie.)

Saßt du am Meer,
last du Voltaire
und Baudelaire und Weiß-nicht-wer?

(Heißt das nicht -wen?)
und hast du den
Fluss Seine gesehn? So, hast du? Scheen!*

*: Heißt das nicht schön?


IV

Traum

Mir fiel ein Universum aus der Hand:
aus welcher? Spielt hier wirklich keine Rolle,
die Geste war auch keine absichtsvolle.
Es stürzte halt. Mehr ist mir nicht bekannt.

Nur das noch: Als es auf dem Boden lag,
wurd mir mit einem Mal sehr flau im Magen,
und das ist etwas, was ich gar nicht mag.
Was dann passierte, weiß ich nicht zu sagen.

Bloß dies: Das Universum brummte wie –,
ein Mensch? Ein Tier? Nein, mehr wie eine Pflanze.
Es blähte sich zu einem Ball und schrie –,
beziehungsweise schwieg. Das war das Ganze.

Halt stopp, denn ein Kapitel steht noch aus:
Das Universum wuchs, bis es sehr fett war,
und schluckte mich, was nicht besonders nett war.
Ich wachte auf. Und fand nicht mehr hinaus.


V

Ich oute mich an dieser Stelle einmal als FC Bayern München-Erfolgsfan der ersten Stunde; als ca. Siebenjähriger erhielt ich zu Weihnachten ein überdimensionales Heim-Trikot mit Mario Basler-Beflockung, das mir noch im Sportunterricht in der Oberstufe gute Dienste leisten sollte. Das folgende Sonett entstand wiederum einige Jahre später, unmittelbar nach Spielschluss in ca. 15 Minuten und gibt auf diese Weise einen unverfälschten Blick auf meine damalige Gefühlslage:

Zum Champions League-Halbfinal-Hinspiel Atletico Madrid - Bayern München 1:0 (1:0)

Im Fußball wurd schon mancher Held geboren,
selbst Münchner. Nur nicht heute in Madrid:
Obwohl man fast auf Augenhöhe stritt,
hat Bayern dieses Spiel ja doch verloren.

Man hatte sich vermutlich eingeschworen,
und wirkte fit und litt a bit und tritt,
nein, trat. Allein: Es fehlte stets ein Schritt.
Und letztlich fehlte es auch an den Toren.

Denn einer von den Madrilenen traf
(sein Name sei, doch nicht aus Wut, verschwiegen:
Ich zweifle, dass er sich ins Versmaß biegen,

ja schmiegen lässt). Drum bin ich fair und brav:
Madrid verdient den Sieg heut mehr als München.
Man sollte Diego Simeone lynchen.


VI

Und als Abschluss von Teil 1 ein weiteres Fußballgedicht, diesmal aus der diesjährigen Bundesliga-Relegation:

Nürnberg - Frankfurt 0:1 (0:0), 23.5.2016

Tom Bartels ist mein liebster Kommentator,
denn immer wenn ein Tor fällt, ruft er: »Ah, Tor.«,
und wenn gefoult wird, merkt er: »Oh, ein Foul.«

Er kennt zudem fast alle Spielernamen,
und spricht sie häufig richtig aus, denn Paul,
ich mein: Tom Bartels ist der Beste. Amen.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

B-Seiten 2015

Salomo Friedlaender alias Mynona, von dem das lateinische Motto dieses Blogs stammt, übersetzte den (wiederum von Horaz geborgten) Satz folgendermaßen: »Großes gewollt zu haben genügt.« Bei einem Blick auf die bisher veröffentlichten Gedichte fällt jedoch auf, dass ich dieser Vorgabe durchaus nicht folgte, schließlich jagt hier ein Hit den nächsten, Ausschuss- ist zugleich Mangelware. Eine irre Dichte an Highlights. Na ja, zumindest fast. 
Jetzt zum Ende des Jahres kann ich ja endlich mit dem Bekenntnis rausrücken: Nicht jedes meiner Gedichte ist auch rundweg gelungen, viele hielt ich bislang aus Scham zurück. Denn wenngleich mancher erste Vers verheißungsvoll anhebt, manches Reimpaar weißgottwieinnovativ ausfällt und manche Pointe immerhin mit originell in Anführungszeichen hinreichend beschrieben ist: An Klassiker wie »Junger Journalismus, junge Themen«, »Gesang des Germanisten« oder das »Kabarettsonett« kommen sie nicht heran.
Unten eine Auswahl an zähen Zeilen, miesen Metaphern und verstolperten Gags, die im Jahr 2015 entstanden!

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I: Meine literarische Karriere begann in diesem Jahr mit einem echten Paukenschlag bei den Prinzessinnenreportern (an die tagesaktuellen Umstände wird sich vermutlich niemand mehr erinnern). Dort erschien die improvisierte und verlängerte Version eines Frühlingsgedichts, das hier in seiner Originalfassung veröffentlicht wird:

Nachspürgedicht

Der Frühling naht! O liebe Sonne, brenne!
Die Wiesen glühn bereits vor erstem Grün,
auf Felder sieht man Bauern Gülle sprühn.
Die Krokusse, die Hyazinthen blühn,
und andre, deren Namen ich nicht kenne.

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II: Für eine noch etwas detaillierter auszuarbeitende komische Oper zum Gesundheitswesen:

Lied des Internisten (Fragment)

»Ach, wäre ich doch bloß nicht Arzt und hätt ich
etwas Vernünftiges (wie Kunst) studiert!
Dann wär das eben keinesfalls passiert,
mit dieser sehr, sehr armen Frau. Das wett ich.

Woher weiß ich denn, was ein
›Hämatom‹ ist?
Ich bin bloß Doktor, kein gelehrter Mann.
Am Dienstag treffe ich sie wieder an-
lässlich der Trauerfeier, die im Dom ist.

Nun denn, zu Ihnen
, oh nein, Schwester Ruth, sehn
Sie bitte nach: Wie geht es dem Verband?
Ich hab noch Dings, na: Keime an der Hand,
und kann, Sie ahnen es vielleicht, kein Blut sehn.
«

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III: Judith Holofernes' erster Gedichtband, der sich exklusiv mit der Tierwelt beschäftigt, wurde von der Kritik wenig euphorisch aufgenommen. In jeder Buchhandlung allerdings ist er exponiert ausgestellt, er verkauft sich mithin mutmaßlich ordentlich. Da ich schon immer ein gewisses Interesse an Geld hatte, entstand ein eigenes Tiergedicht. Mit den entsprechenden Illustrationen könnte es sich um ein Millionengeschäft handeln (Suhrkamp?).

Pläne

Wenn ich ein Pferd wär, wär ich gerne Hund,
und wenn ich Hund wär, dann noch lieber Qualle.
Als solche zög ich alle Menschen (und

wenn ich hier alle sag, mein ich auch: alle)
mit meinen Nesseln auf den Meeresgrund
und lachte mir die Quallenkehle wund. 


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IV: Ungleich drolliger geht es hier zu:

Begegnung

Ein Hund sieht einen andern Hund. (Die Welt
ist reich an Tieren, und so kanns geschehen,
dass zwei sich plötzlich gegenüberstehen.)
Er hebt den Schwanz und räuspert sich. Und bellt.

Sein Gegenüber: dito. Allerhand!
Da springt er los, sich seinen Feind zu krallen,
und merkt erst, als die Scherben auf ihn fallen,
dass er allein vor einer Glastür stand.


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V: Im Sommer erfanden Bürger in Heidenau unter den interessierten Blicken der Einsatzkräfte die Willkommenskultur. Zum Glück existierte dieser Blog damals noch nicht, unter allerlei engagierten Versen jener Tage ist dieses Lied wohl noch das vorzeigbarste Werk (wenngleich es den Polizisten aus »The Pirates of Penzance«, die bloß feige sind, Unrecht tut.)

Lied der Polizei
Zu singen auf »When a felon's not engaged in his employment« aus Gilbert & Sullivans »The Pirates of Penzance«.

»Wenn besorgte Bürger nicht das Volk verhetzen,
oder fackelschwanger durch die Straßen ziehn,
sind sie liebe Menschen, die den Frieden schätzen,
und trotzdem nicht in den freien Westen fliehn.
Doch an diesen Umstand sollen wir nicht denken,
wenn man uns zu einem Flüchtlingseinsatz zwingt.
Ach, wie gern wir unsern Schlagstock manchmal schwenken!,

aber gegen gute Deutsche nur bedingt.

Wenn man uns zu einem Flüchtlingseinsatz zwingt,
drangsaliern wir gute Deutsche nur bedingt.

Wenn ein Sachse nicht auf einen Syrer einsticht,
wenn ein Hesse nicht das Wessel-Lied skandiert,
schaun sie gerne, wie ein Segler in den Rhein sticht,
und hörn zu, wenn eine Lerche tiriliert.
Schimpft ein Nazikader grade nicht auf Juden,
sieht man ihn von seiner Kinderschar umringt.
Gutenachtgeschichten liest er aus dem Duden,
auch wenn das (vgl. Facebook) nicht viel bringt.

Wenn man uns zu einem Flüchtlingseinsatz zwingt,
drangsaliern wir gute Deutsche nur bedingt.
«

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VI: Die Anapher ist das Stilmittel der Stunde; und das war sie, wie dieses Sonett beweist, bereits im Oktober. Die Wendung im zweiten Terzett soll diesem Blog endlich die zahlenmäßig bedeutende Zielgruppe der christlichen Lyrikfans erschließen.

Oktobersonett

Nun ist es Herbst. Das musste ja geschehen.
Die Tage graun wie Vollkornknäckebrot,
und alles Laub verfärbt sich gelb und rot:
Das ist bekannt und nicht zu übersehen.

Nun ist es Herbst. Und jeder Idiot
reimt in Sonettform, dass die Winde wehen,
und dass in weichen Wäldern Pilze stehen,
die man nicht essen sollte. Sonst droht Tod.

Nun ist es Herbst, ich muss mich wiederholen.
Mitunter regnet es. Mitunter nicht.
Und manchmal ragt die Sonne ins Gedicht,

als hätte es ein guter Gott befohlen:
Dann freut man sich am Himmlischen, der wahr ist,
und hofft, dass dieser Schnupfen kein Katarrh ist. 


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VII: Apropos letzte Themen! Apropos Herbst! Apropos Pilze!

Ausflug im Herbst 

»Siehst du die Gänse dort am Himmel schweben?
Sie fliegen nach
, ach, was weiß ich wohin.
Ich kann dir keine nähren Infos geben:
Bei Tieren liege ich zu oft daneben,
weil ich statt Zoologe Vater bin.

Hörst du das raue Rascheln in den Weiden?
Es könnten allerdings auch Buchen sein...
Ich konnte Bäume leider nie recht leiden,
und möchte mich in dem Fall nicht entscheiden.
Ich hoffe doch, das kannst du mir verzeihn.

Willst du von diesen Pilzen mal probieren?
Ich kann dir sagen, welche essbar sind:
Nimm die! Sie schmecken, das siehst du an ihren
sehr weißen Pünktchen, die das Rote zieren.
Das lernte ich als kleines Kind.

                                                    Kind!
                                                              Kind?
«

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VIII: Mit Recht wird immer wieder moniert, in meinen Gedichten spiele das heikle Feld der Romantik praktisch keine Rolle. Als Ausgleich ein veritabler, schichtenüberwindender Liebesjubel:

Liebeserklärung

»Du magst zwar nur ein Bauer sein,
mit Schweinen, Feldern, Hofgut;
Dein Himmel dürfte blauer sein,
du könntest sehr viel schlauer sein,
so wie Christopher Lauer sein...
Du darfst jetzt bloß nicht sauer sein,
denn sieh: Ich find dich doof gut!«

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IX: Darf man über Hitler Witze machen? Ich war mir nicht sicher, daher entschied ich mich für ein unverfänglicheres Thema wie Islamismus. Die Form ist Thomas Gsellas Fabel-Kapitel aus Materialien zu einer Kritik Leonardo DiCaprios entlehnt.

Fabel

Den Storch aus Marburg an der Lahn
warf man vor kurzem aus der Bahn,
nachdem er wild durch diese lief
und laut »Allahu akbar!« rief.
Moral: Man sollte leise sein
und nicht »Allahu akbar!« schrein.

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X: Die Reizthemen Liebe, Wetter und Reim trafen im September aufeinander, das titellose Ergebnis beeindruckt und macht betroffen.

Wenn du mich liebst, dann sei so gut
und dreh das Jahr zurück, ohja!
Das wär ein großes Glück, ohja!
(Ich finde doch den Mai so gut!)

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XI: Na ja:

Fußballsonett

»Im Grunde ist das Spiel nach Plan verlaufen.
Wir kamen, glaub ich, ziemlich gut hinein.
Dann stand der Torwart hinten ganz allein,
und vorne warn wir ein zu wilder Haufen.

Sie schenkten uns dann ein paar Tore ein.
Naja. Wir können uns dafür nichts kaufen.
Sie machten alle Räume eng und auf en-
gem Raum tritt man sich selber auf sein Bein.

Wir müssen noch an unsrer Taktik schrauben.
Wir leiden nicht an loser Disziplin.
Doch an den Titel, der schon sicher schien,

darf im Moment der Rest der Liga glauben.
Was solls, ich werd jetzt erstmal duschen gehen.«
Hier könnte eine Ihre? Pointe stehen.

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XII: Eine sehr kleine Übersetzung aus dem Englischen:

Würdigung (Harry Graham-Übertragung: »Appreciation«)

Tantchen, fühlst du keine Qual
nach dem Sturz vom Apfelbaum?
Fall doch bitte noch einmal,
denn mein Freund hier sah es kaum.

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XIII: Ursprünglich war für die zweite Hälfte des Dezembers ein umfangreicher zyklischer Jahresrückblick auf diesem Blog geplant. Mit Bestürzung musste ich indessen zur Kenntnis nehmen, dass es dergleichen bereits in ungebundener Sprache, Privatfernsehen und Printerzeugnissen gibt; bisweilen sogar mit noch mehr Expertise!

Jahresrückblick: Wirtschaft

Zu Währungsfragen weiß ich nichts zu schreiben.
Ich hab auch keine Ahnung vom Dow Jones,
kenn keine Konsequenz des Mindestlohns,
und nicht die neusten Trends bei Fensterscheiben*.

Wer weiß, was Immobilienmakler treiben?
Ich nicht, ich hab ein Zimmer und bewohns.
Das reicht. Der ganze Mist kann , ich betons:
Der ganze Mist kann mir gestohlen bleiben.

O Wirtschaft, fürchterliche Unbekannte!
Schriest du auch laut, ich hielt es für Gesumm.
selbst Eilmeldungen, die die SpOn-App sandte,

hab ich stets weggeklickt. Das ist jetzt dumm.
Ich weiß nun also nicht mal, was VW tat,
und hoffe nur, sie stärkten ihren Etat.

*: Q: Wieso Fensterscheiben? A: Weil sich kaum etwas vernünftig auf -eiben reimt.