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Mittwoch, 7. November 2018

Anderswo (4)

In der Ausgabe #90 des Fußballfachblattes Der tödliche Pass bin ich mit gleich acht Gedichten vertreten. Wer sich also für Verse über Themen wie Videobeweis, Fieldreporter und Kreisklasse-Schiedsrichter interessiert, sollte zuschlagen und sich dann an die guten Seiten (41-45) halten.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Anderswo (2)

Eine knallharte WM-Analyse im runderneuerten Titanic-Newsticker: Flüchtige Buchmachergedanken. In den nächsten Wochen wird dort noch mehr folgen.

Dienstag, 27. März 2018

Fußballgedicht: Der Einwechselspieler

Der Einwechselspieler

Traurig hockt
   er und sinnt:
Mist, verzockt,
nur gejoggt,
Laufbahn stockt.
   Match beginnt.

Lang nichts los,
   Team bleibt blass,
Gegner bloß
furios...
Gegenstoß! –
   Schlechter Pass.

Halbzeit: tja.
   Anhang klagt.
Dann Eklat,
0:1. Ahh!,
Ende nah.
   Trainer fragt:

Wechsel? Deal.
   Und zum Dank
Schuss aufs Ziel,
Torwart fiel.
Nächstes Spiel
   wieder Bank.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Der Transfer-Coup

Der Transfer-Coup

Sein Wechsel klappte über Nacht.
    Zum Finanziellen: kein Satz.
Die Presse schrieb, er käm mit Macht
als 6, als 10 sowie als 8
    und links wie rechts zum Einsatz.
Er lobte (teils auf deutsch!) die Fans
bei seiner Pressekonferenz.

Das Youtube-Video gefiel:
    Sein Schuss war fest, ja: bleiern;
das Auge gut, der Stil skurril.
Er traf im ersten Freundschaftsspiel,
    doch stolperte beim Feiern.
Es dauerte nur Stunden bis
zur Diagnose – Kreuzbandriss.

Drum fehlte er sehr lang verletzt,
    doch rekonvaleszierte,
und hätt nun gerne eingenetzt,
bloß: wurde auf die Bank gesetzt.
Das hat ihn leider so vergrätzt,
dass er (sonst säß er dort noch jetzt)
    bei Twitter lamentierte.
Er floh nach einem halben Jahr.
Dann holte man den nächsten Star.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

B-Seiten 2016, Teil 1

Mäßige bis schlechte Gedichte machen, wenn sie alleine stehen, einen verheerenden Eindruck. In der Masse jedoch fällt manche Schwäche nicht so sehr ins Auge – ein Umstand, den man das Eugen-Roth-Auswahlband-Phänomen nennen könnte.
Na, jedenfalls: Wie 2015 (vgl. hier) folgt an dieser Stelle eine Auswahl meiner unveröffentlichten Gedichte aus den vergangenen Monaten, heuer in zwei Teilen.


I

Teil 1 beginnt mit einem Text aus dem Frühling: Thilo Sarrazin veröffentlichte sein neues Standardwerk »Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung - warum Politik so häufig scheitert«, dessen Themenfelder ich in den folgenden Versen skizzierte:

Sarrazins Wunschdenken
In Reimform gebracht

Das Land zerbricht, der Syrer sticht
und plündert nach Belieben.
Ich bin entsetzt und habe jetzt
ein Buch dazu geschrieben.
Ich zähle zwar auf Ihren Kauf,
doch führ schon mal die Thesen auf:

Europa fällt, da alle Welt
als Flüchtling akzeptiert wird.
Das Ende naht, weil unser Staat
seit Jahren falsch regiert wird:
Doch auf der Seite 108
erklär ich, wie man's richtig macht.

Die Währung wankt, die Wirtschaft krankt,
VW liegt brach: so traurig!
Was Wolfsburg war, wird Kandahar. –
Wen das nicht rührt, bedaur ich.
Sie schätzen Geld so sehr wie ich?
Dann investieren Sie's in mich!

Zur Bildung: Bernd aus Freital lernt
nun nicht mehr richtig rechnen,
denn Ibrahim entwendet ihm
die Zahlen (was ich frech nenn!).
Die Jugend liest heut Böll und Co.
statt Weininger und Gobineau.

Die Migration schlägt unsre schon
bisweilen groben Epen
in Sachen Blut. Nun ist es gut,
wir brauchen eine le Pen!
Statt Merkel, Morus, Bloch: Pegi-
da sei uns Deutschen Utopie!

Mehr steht nicht drin. In diesem Sinn:
Auf dass mein Buch uns rette!
Erstehn Sie's fein in Leinen ein-
gebunden/auf Diskette,
und lesen Sie es ganz genau!
Ich schließe nun mit Grüßen. Ciao.


II

2016 wird bekanntlich in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem die Promis ausstarben. Der folgende Nachruf ist ohne konkretes Ziel, reimt sich aber immerhin ganz schön:

Nachruf auf irgendeinen Komiker

»Wegbereiter«
und so weiter
wurde er genannt,
seit er
Heiter-
keit er-
fand.


III

Kindersonett: Frankreich

Warst du schon ein-
mal in Paris?
Sag, trankst du Wein
und schlucktest Brie und spucktest »Ihh!«?

Franzosen schrein
oft »C'est la vie!« –
was soll das sein?
Verstehst du sie? (Ich tat es nie.)

Saßt du am Meer,
last du Voltaire
und Baudelaire und Weiß-nicht-wer?

(Heißt das nicht -wen?)
und hast du den
Fluss Seine gesehn? So, hast du? Scheen!*

*: Heißt das nicht schön?


IV

Traum

Mir fiel ein Universum aus der Hand:
aus welcher? Spielt hier wirklich keine Rolle,
die Geste war auch keine absichtsvolle.
Es stürzte halt. Mehr ist mir nicht bekannt.

Nur das noch: Als es auf dem Boden lag,
wurd mir mit einem Mal sehr flau im Magen,
und das ist etwas, was ich gar nicht mag.
Was dann passierte, weiß ich nicht zu sagen.

Bloß dies: Das Universum brummte wie –,
ein Mensch? Ein Tier? Nein, mehr wie eine Pflanze.
Es blähte sich zu einem Ball und schrie –,
beziehungsweise schwieg. Das war das Ganze.

Halt stopp, denn ein Kapitel steht noch aus:
Das Universum wuchs, bis es sehr fett war,
und schluckte mich, was nicht besonders nett war.
Ich wachte auf. Und fand nicht mehr hinaus.


V

Ich oute mich an dieser Stelle einmal als FC Bayern München-Erfolgsfan der ersten Stunde; als ca. Siebenjähriger erhielt ich zu Weihnachten ein überdimensionales Heim-Trikot mit Mario Basler-Beflockung, das mir noch im Sportunterricht in der Oberstufe gute Dienste leisten sollte. Das folgende Sonett entstand wiederum einige Jahre später, unmittelbar nach Spielschluss in ca. 15 Minuten und gibt auf diese Weise einen unverfälschten Blick auf meine damalige Gefühlslage:

Zum Champions League-Halbfinal-Hinspiel Atletico Madrid - Bayern München 1:0 (1:0)

Im Fußball wurd schon mancher Held geboren,
selbst Münchner. Nur nicht heute in Madrid:
Obwohl man fast auf Augenhöhe stritt,
hat Bayern dieses Spiel ja doch verloren.

Man hatte sich vermutlich eingeschworen,
und wirkte fit und litt a bit und tritt,
nein, trat. Allein: Es fehlte stets ein Schritt.
Und letztlich fehlte es auch an den Toren.

Denn einer von den Madrilenen traf
(sein Name sei, doch nicht aus Wut, verschwiegen:
Ich zweifle, dass er sich ins Versmaß biegen,

ja schmiegen lässt). Drum bin ich fair und brav:
Madrid verdient den Sieg heut mehr als München.
Man sollte Diego Simeone lynchen.


VI

Und als Abschluss von Teil 1 ein weiteres Fußballgedicht, diesmal aus der diesjährigen Bundesliga-Relegation:

Nürnberg - Frankfurt 0:1 (0:0), 23.5.2016

Tom Bartels ist mein liebster Kommentator,
denn immer wenn ein Tor fällt, ruft er: »Ah, Tor.«,
und wenn gefoult wird, merkt er: »Oh, ein Foul.«

Er kennt zudem fast alle Spielernamen,
und spricht sie häufig richtig aus, denn Paul,
ich mein: Tom Bartels ist der Beste. Amen.

Donnerstag, 7. Juli 2016

EM-Sonett VI

EM-Sonett VI
Lied des Kommentators: Deutschland - Frankreich 0:2 (0:1)


Was nützt's, dass ich den Gegner an die Wand spiel
mit feinen Pässen und dem ganzen Rest,
dass meine Abwehr ungeheuer presst;
wenn Schweini sich vergreift: Elfmeter (Handspiel)?

Was nützt es ferner, dass ich dominant spiel?
Das Schland-Spiel: insgesamt so sattelfest;
wenn man den Gegner Tore schießen lässt?
Ey Stürmer, dribbel nicht nur elegant, spiel!!!

Wir waren einst die Heimstatt der Genies, Mann!,
von Goethe, Schiller, Heine, Olli Kahn.
Jetzt warf ein Team mit Hahn uns aus der Bahn.

Der Mann des Spiels nicht Müller, sondern Griezmann.
Die Welt ist schlecht und aus dem Himmel weint's.
Und morgen geht mein Flugzeug Richtung Mainz. :-(

Sonntag, 3. Juli 2016

EM-Sonett V

EM-Sonett V
Deutschland - Italien 7:6 (1:1, 0:0) n. E.


Kennst du das Land, das die Elfmeter in
die Wolken schoss und/oder Neuers Hände?
Das hinten stand, als ob das Glück dort stände;
und hinten stand das Glück auch zu Beginn,

doch nicht am Ende.
Denn wenn ich richtig unterrichtet bin,
verlor das Land ja doch. Dahin, dahin
die Hoffnung. Schließlich jubelte der Fan (DE).

Kennst du das Land, das nun zum ersten Male
(denn Hectors Schüsslein war der Schicksalsschlag)
den Deutschen, da es zählte, unterlag?

Jetzt ist gleich mit dem Viertel- schon finale.
Kennst du das Land der völlig Titelfernen?
Du kennst es nicht? Du wirst es – Quatsch, du hast das Spiel ja wohl gesehen und das Land
                 folglich spätestens da kennengelernt, zumal es auch noch in der Überschrift genannt
                 wird. Ich entschuldige mich für die Frage.

Sonntag, 26. Juni 2016

EM-Sonett IV

Europameisterschafts-Sonett IV
Ein Bericht von der Fanmeile: Deutschland - Slowakei 3:0 (2:0)

Das 1:0 fiel früh und klebte mir
(man warf mit Bechern) lange in den Haaren.
Ich möchte mir ein Elfer-Urteil sparen,
denn da erstand ich grad ein neues Bier.

Ich konnte bloß aus zweiter Hand erfahren,
dass Özil ihn verschoss, doch c'est la wir
(das ist ein Wortspiel!) führten bald mit vier
und fünf zu null, weil wir die Bessren waren.

Sonst weiß ich nicht mehr allzu viel vom Spiel.
Obwohl: Ich trank vom Fass, nicht aus der Lethe!
Doch fast so elegant wie Draxler drehte

sich alles um mich rum. Ich c'est la fiel,
und sah mich die EM-Trophäe heben.
Ich höre auf, ich muss mich übergeben.*



*: Leihvers von Hermann Hesse.

Dienstag, 21. Juni 2016

Europameisterschafts-Sonett III

Europameisterschafts-Sonett III
Seufzer nach Nordirland - Deutschland 0:1 (0:1)


Einen Lobgesang auf Kimmich,
Gomez und so weiter stimm ich
nicht (das Spiel lief schließlich grimmig*)
                                           an:

Dass nicht alles klappt, verstehn wir,
in die nächste Runde gehn wir:
Ob sich dort was bessert, sehn wir
                                       dann.

Tore, nicht bloß hübsche Haken,
müssen gegen die Slowaken**
                                   ran***.

Was von nun an zählt, sind Siege:
Wo man gegen die**** doch nie***** ge-
                                        wann...


*: Das stimmt zugegebenermaßen nicht so ganz, aber finden Sie mal einen vernünftigen dritten Reim auf -immig!
**: Oder Albaner.
***: Bzw. her.
****: Die Slowaken, nicht die Albaner.
*****: Lies: vor einigen Wochen (vgl. hier) nicht.

Freitag, 17. Juni 2016

Europameisterschafts-Sonett II

Europameisterschafts-Sonett II:
Durchhalteparolen nach Deutschland - Polen 0:0


Welch Wahnsinns-Match! O Offensiv-Lawine!
Die Pässe: fein, das Stellungsspiel: famos,
die Schüsse: zahlreich. Ja, es war was los,
beim Sieg Nordirlands gegen Ukraine.

Naturgemäß verblasst da das Gekroos
der Deutschen, die mit unbewegter Miene
und einem 0:0 in die Kabine
verschwanden. Draußen Buhs statt Ahs und Ohs.

Zu sehn, wie Götze durch den Strafraum irrt,
kann keinem Kenner ernstlich Spaß bereiten.
Jedoch: Es kommen wieder bessre Zeiten;

ob sie auch murkste: Jogis Mannschaft wird
statt in die Hose nach dem Titel greifen:
Drum wende dich nicht ab, nein, bleib dabei, Fan!

Sonntag, 12. Juni 2016

Europameisterschafts-Sonett I

Europameisterschafts-Sonett I: 
Deutschland - Ukraine 2:0 (1:0)

Der Abend ging dahin wie die Passanten:
Um 21 Uhr begann das Spiel.
Bekriegsflaggt lag die Innenstadt von Lille,
da die Heroen Richtung Rasen rannten.

Pathetische Metapher: Herzen brannten.
Ein Sieg der Deutschen war das deutsche Ziel,
was, als ein Freistoß auf Mustafi fiel,
auch alle Ukrainer jäh erkannten.

Dann traf Khedira nicht, und Boateng
beinah ins eigne Tor. Das Spiel blieb eng,
bis Schweini trat, was Gott sei Dank der Ball war.

Ein Pfiff. Vorbei. Von Rängen drang Geschrei,
dass Deutschlands Elf die allergrößte sei:
Was, wenn man richtig hinsah, nicht der Fall war.


Nachtrag vom 13.6.: Kein gutes Gedicht, aber das passt ja zum Spiel. Die metrischen Ungenauigkeiten spiegeln die holprige erste Hälfte wider, die drei redundanten was-Konstruktion symbolisieren die ideenlosen Angriffsbemühungen.

Sonntag, 29. Mai 2016

Deutschland - Slowakei 1:3 (1:2)

Deutschland - Slowakei 1:3 (1:2)

Der beste Freund des Menschen ist der Regen:
Er wässert Felder und er tränkt das Vieh,
er reimt sich gut und taugt zur Poesie.
Allein beim Fußball kommt er ungelegen.

Er störte jüngst das Spiel der Deutschen gegen
die Slowakei und schaute sich die Nie-
derlage an. Egal wie Jogi schrie:
Vorn traf man kaum, und hinten stand ter Stegen.

Der griff am Ball vorbei, doch das passiert ihm
bei der EM gewiss kein zweites Mal.
Denn dort ist gottlob Neuer erste Wahl,

und außerdem war Deutschland stets Turnier-Team...
Mit Glück (ein Trost für die, die heut erschraken)
erspart ein frühes Aus uns die Slowaken.