Freitag, 31. August 2018

Depressives Morgenlied

Depressives Morgenlied

Der Tag beginnt:
Ade, oh Nacht!
Die Vögel sind
schon aufgewacht.

Der Wind weht sacht,
ja: lind. Und in d-
er Ferne lacht
ein Kind.

Das Dunkel weicht,
denn wärmend streicht
der Sonnenschein

durch frühe Ruh
zum Fenster rein: –
Doch ach!, wozu?

Donnerstag, 19. Juli 2018

Der Radfahrer

Der Radfahrer

Der Berg ist steil. Die Abfahrt kurz.
Dann kommt er auf die Grade.
Nun naht das Ziel. Beginn des Spurts.
Es regnete. Das ist ihm schnurz.
Er tritt und tritt und tritt und Sturz.
Tja, schade.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Lehrgedicht

Lehrgedicht über den richtigen Umgang mit Außerirdischen

Wenn am Himmel Kugeln kreisen,
   die mit kolossalen Strahlen
   deinen Namen in die fahlen
   abendlichen Wolken malen,
darfst du keinen Mut beweisen;
nein: Dann schleiche dich auf leisen
Sohlen fort
                 von diesem Ort.

Wenn im Garten UFOs landen,
   denen Kreaturn entsteigen,
   die drauf brennen, dir ihr eigen-
   artiges Gefährt zu zeigen:
Lass das Angebot versanden,
tu als hättst du's nicht nicht verstanden,
lächle dumm
                    und dreh rasch um.

Wenn dich grüne oder graue
   Wesen in ihr Raumschiff reißen,
   dich auf den OP-Tisch schmeißen
   und in deine Beine beißen;
dann, mein lieber Freund, vertraue
besser nicht aufs Glück, nein: Haue
ihnen auf
              den Kopf. Und lauf!

Donnerstag, 14. Juni 2018

Anderswo (2)

Eine knallharte WM-Analyse im runderneuerten Titanic-Newsticker: Flüchtige Buchmachergedanken. In den nächsten Wochen wird dort noch mehr folgen.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Hilferuf

Hilferuf

Der Dichter spricht,
lauscht konzentriert!
»Wer ein Gedicht
schreibt, der verliert

die Übersicht
und manövriert
nur schlicht und nicht
sehr routiniert. –

So irr ich blind
durchs Labyrinth
des Strophenbaus

und rufe aus:
Ich fürcht, ich find
hier nicht mehr raus, ich will nach Haus zu Frau und Kind!«

Samstag, 19. Mai 2018

Geologisches Gedicht

Geologisches Gedicht

Ich bin heut durch die Zeit gereist,
doch ach!, ich bin zu weit gereist:
Ich stecke im Karbon.

Ich wollte Hitlers Killer sein,
nun muss ich etwas stiller sein:
Die Dinos lauschen schon.

Ich scheiterte wie Stauffenberg,
nun lauf ich leider auffen Berg
und vor den Viechern fort.

Jetzt jagen mich die wütenden
behütenden (da brütenden)
Gestalten durch den Ort...

Doch eh man mich mit Bissen schafft,
befrag ich noch die Wissenschaft:
Ich dachte eigentlich,

die kamen in der Trias auf? –
Sie fressen leider my ass auf.
Das war's mit dem Gedich

Montag, 2. April 2018

Erinnerung/Lob der Müdigkeit

Erinnerung/Lob der Müdigkeit

 

Als einst die ersten UFOs erdwärts schwebten,
lag ich im Bett und ahnte nichts davon.
Ich träumte bloß vom Promi-Biathlon,
und spürte nicht, dass alle Straßen bebten.

Die Hauptstadt hieß zu dieser Zeit noch Bonn,
und manche, die inzwischen tot sind, lebten.
Die Gliederfüßer an der Decke webten.
Ein grüner Strahl zerstob das Pentagon.

Ich schreckte auf, doch schlief schon wieder ein.
Die Marsianer schossen tausendmal,
und viele abgegebne Schüsse trafen.

In fernen Häusern mochten Menschen schrein.
(Ich hörte nichts.) Und komme zur Moral:
Am Ende aller Tage soll man schlafen.

Dienstag, 27. März 2018

Fußballgedicht: Der Einwechselspieler

Der Einwechselspieler

Traurig hockt
   er und sinnt:
Mist, verzockt,
nur gejoggt,
Laufbahn stockt.
   Match beginnt.

Lang nichts los,
   Team bleibt blass,
Gegner bloß
furios...
Gegenstoß! –
   Schlechter Pass.

Halbzeit: tja.
   Anhang klagt.
Dann Eklat,
0:1. Ahh!,
Ende nah.
   Trainer fragt:

Wechsel? Deal.
   Und zum Dank
Schuss aufs Ziel,
Torwart fiel.
Nächstes Spiel
   wieder Bank.