Mittwoch, 2. Oktober 2019

Lied eines verliebten Fischverkäufers

Lied eines verliebten Fischverkäufers


Ich stehe schon um 7 Uhr im Wagen
    und warte, dass die Sonne wieder sinkt,
und hör, wie Kinder ihre Eltern fragen,
    weshalb es hier so stinkt.
Dann schau ich voller Sehnsucht hin
zu dir, Gemüsehändlerin!

Ich stehe da und falle fast in Schlummer:
    Den Kunden ist mein Angebot egal.
Sie gehn vorbei und schern sich nicht um Hummer
    und Scholle, Dorsch et aal. –
Du ahnst nicht, wie allein ich bin,
oh, du Gemüsehändlerin!

Ich stehe also gähnend hinterm Tresen
    und staune über die Geschwindigkeit,
mit der die Barsche auf dem Eis verwesen,
    und tu mir selbst so leid.
Nur eines gibt mir Halt und Sinn:
nur du, Gemüsehändlerin!

Und so gerat ich manchmal in Gedanken,
    und träum, dass mir per Boot die Flucht gelang:
Ich zerr mit Not mein Schleppnetz auf die Planken
    und prüfe meinen Fang.
Das Netz ist schwer. Was zappelt drin? –
Na: du, Gemüsehändlerin!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen